Wortstellung im L2-Erwerb: Bewegungen nach Felix (1993)


Matrixkonstr.

XP auch in der Erstposition eines konjunktionslosen übergeordneten Matrixsatzes:

(9a)

Fritz,

glaube ich,

hat seiner Mutter Blumen geschenkt

(9b)

seiner Mutter,

glaube ich,

hat Fritz Blumen geschenkt

(9c)

Blumen,

glaube ich,

hat Fritz seiner Mutter geschenkt

 

Anmerkung W.G.: Um was für Konstruktionen handelt es sich in (9)? Handelt es sich bei glaube ich nicht um einen parenthetischen Einschub, der praktisch an beliebiger Stelle stehen kann?

 

daß-Matrix.

XP auch in der Erstposition eines mit einer Konjunktion eingeleiteten Matrixsatzes:

(10a)

Fritz,

glaube ich,

daß seiner Mutter Blumen geschenkt hat

(10b)

seiner Mutter,

glaube ich,

daß Fritz Blumen geschenkt hat

(10c)

Blumen,

glaube ich,

daß Fritz seiner Mutter geschenkt hat

 

Fußnote S.F.: "Bei der Extraktion aus daß-Sätzen scheinen teilweise dialektale Unterschiede zu bestehen. In süddeutschen Dialekten sowie im Österreichischen ist die Extraktion aus daß-Sätzen ohne Einschränkungen möglich, während in norddeutschen Dialekten insbesondere die Subjektextraktion zumindest als teilweise marginal empfunden wird." (Felix 1993, 177)


Fragesätze

Parallelen der unbounded dependencies in sog. wh-Fragesätzen, die mit einem Fragepronomen eingeleitet werden:

(11a)

Was

hat

Hans seiner Mutter geschenkt?

(11b)

Wem

hat

Hans Blumen geschenkt?

(11c)

Wer

hat

seiner Mutter Blumen geschenkt?

 

Hauptsatzstruktur: Finitum in Zweitposition, Fragewort in Erstposition.

 

Extraktion aus Fragen

Parallelen zu den Sätzen in (9) oben: Die Bewegungen des Fragepronomens scheinen Ergebnis ein und desselben grammatischen Prozesses zu sein, der üblicherweise als wh-Bewegung bezeichnet wird:

(12a)

Was

glaubst du,

hat Fritz seiner Mutter geschenkt?

(12b)

Wem

glaubst du,

hat Fritz Blumen geschenkt?

(12c)

Wer

glaubst du,

hat seiner Mutter Blumen geschenkt?

 

Auch hier gilt die Anmerkung W.G.: Um was für Konstruktionen handelt es sich in (12)? Handelt es sich bei glaubst du nicht um einen parenthetischen Einschub, der praktisch an beliebiger Stelle stehen kann?


Erwerbs- perspektiven:

Der Lerner muß erkennen, daß

  • den verschiedenen Oberflächenabfolgen SOV zugrundeliegt
  • Verbzweit gilt, d.h. obligatorische Verbzweit-Bewegung in Hauptsätzen
  • die Erstposition des Satzes durch eine ungebundene wh-Bewegung besetzt wird

 
Literatur 

Felix, Sascha W. (1993) Psycholinguistische Unterschungen zur zweisprachigen Alphabetisierung. Gutachten im Auftrage der Berliner Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport. Berlin: Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung.