Deutsche Sprache: Geschichte - Überblick (Gewehr 97)

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Althochdeutsch
8. - 12. Jh.

  • ohne offizielle, verbindliche Regelungen oder Konventionen
  • Klösterliche Schreibschulen, Bischofssitze
  • Schreibung der deutschen Sprache mit lateinischem Grapheminventar
  • Probleme:
    • Vokallängen: /LAM/ /lahm/ ↔ /lamm/?
    • Semivokale /j/ und /v/:
    • /k/: k, c, q
    • /s/: s, z, zz, sz
  • Bsp. Text: altbairisch, 9. Jh.;
    Merseburger Zauberspruch 2: Text; Ton
 

Mittelhochdeutsch
12. - 14. Jh.

  • Verwaltungssprache Latein (99,5% aller Urkunden);
    Rechtsbuch in deutscher Sprache: Sachsenspiegel
  • Minnesänger: Walther von der Vogelweide, Hartmann von Aue, …
  • Merkmale:
    • Vermeidung dialektaler Einschläge
    • Orientierung am Lautprinzip:
      Bsp.: Auslautverhärtung liebe - liep, hant - hende
  • Bsp.: 'Du bist mîn …' Text; Falkenlied: Text; Ton, 1170; Nibelungenlied: Text; Ton; Trutzlied der Mädchen: Text
 

Buchdruck / Reformation
15. - 16. Jh.

  • Buchdruck: Standardisierung der Schreibung, massenhafte Distribution
  • Bemühung um relativ einheitliche Schreibweisen (weiträumiger Absatz)
  • Luther/Reformation:
    • Betonung der Schrift gegenüber (katholisch) mündlichen Überlieferungen → Verbreitung von Schriften in deutscher Sprache für das Volk
    • um 1520 sind 234 von 570 Drucken von Luther
    • zunächst scheinbar willkürliche und uneinheitliche Orthographie in frühen Drucken
    • allmählich aufkommende Großschreibung von Substantiven und anderen Wörtern
  • Ickelsamer:
    • phonemgetreue Schreibung nach dem Grundsatz:
      "Schreibe wie du sprichst"
    • Eliminierung unnützer Buchstaben
    • gegenläufig: Hinweis auf das Stammprinzip
  • Bsp.: Luther: Bibel, div.; Ton: Schreiberamt, Tischreden
 

Barockschwulst
17. Jh.

  • Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus
  • Schottelius:
    • Rechtschreibung: das Geschriebene als Abbild der gesprochenen Sprache
      aufgrund unterschiedlicher Regionen mit unterschiedlichen Varianten so nicht durchführbar
    • 'Kriterium der gute angenomme Gebrauch und die Grundrichtigkeit der Sprache am besten Einrath': Literatursprache
    • Stammprinzip: z.B. Trennung nach dem morphematischen Stamm, nicht nach der Sprechsilbe, Bsp. schw…
    • Vokallänung mit Dehnungs-h: Unterschied zwischen leer ↔ lehr
  • Beispiel: Grimmelshausen: Titel, Auszug
 

Aufklärung
18. Jh.

  • Sprachgesellschaften: Schaffung einer deutschen Nationalsprache
  • Freyer: "Pronuntiation als die eigentliche Regel und Richtschnur"; "will also diese Hauptregel, man solle so schreiben, als man redet"
  • relativ einheitliche Literatur-Orthographie, für Druckereien nahezu verbindlich
 

Reichsgründung, Schulpflicht, Standardisierung
19. Jh.

  • Systematisierung, Entwicklung von Lehrmaterialien
  • Disput Grimm ↔ Raumer:
    • Grimm: Orientierung am Mittelhochdeutschen ohne Vokallängung, Kleinschreibung
    • Raumer: "Bringe Schrift und Aussprache in Übereinstimmung"
      gegen radikale Phonetiker, einheitliche Repräsentanz eines Lautes durch ein Graphem:
      Bsp. nur /k/ nicht auch c, ck, …
  • Duden: gemäßgtes Vorgehen, Orientierung an Schriftstellern
  • Vereinheitlichung auf Konferenzen:
    • 1876: I. Orthographische Konferenz in Berlin: Eliminierung des /th/, Reduzierung Dehnungs-/h/ und Doppelvokale
    • 1901: II. Orthographische Konferenz, Ergebnis bis 1996 verbindlich
  • Beispiele: Brockhaus 1820

Literatur

Bünting, Karl-Dieter (1998) Was ist die deutsche Sprache? Ein systematischer Überblick über die Sprachvarietäten des Deutschen von Prof. Dr. Karl-Dieter Bünting. CD 1: Alt-/Mittelhochdeutsch. Essen: Medienzentrum der Universtität GH Essen
Crystal, David (1995) Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache. Übersetzung und Bearbeitung der deutschen Ausgabe von Stefan Röhrich, Ariane Böckler und Manfred Jansen. Frankfurt/M. u. New York: Campus
Gewehr, Wolf (1997) Zur Geschichte der deutschen Orthographie und die Rechtschreibreform 1996. In: Becker-Mrotzek, M. & Hein, J. & Koch, H. H. (Hgg.) Werkstattbuch Deutsch: Texte für das Studium des Faches. Münster: LIT, 465-500;
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