Informeller Test (Luchtenberg u.a. '82)


Ziel

  • eine möglichst detaillierte Diagnose des Spachstandes ausländischer Kinder und Jugendlicher ohne befriedigende Deutschkenntnisse
  • Die Testergebnisse sollen
    • eine begründete Aufteilung in sprachhomogene Lerngruppen ermöglichen (Differenzierung),
    • Aufschlüse über spezifische Defizite der einzelnen Schüler geben (Individualisierung) und
    • dem Lehrer konkrete Ansatzpunkte für Übungen bieten, …
 

Bereiche

  • die Fähigkeit, einfache Handlungsanweisungen, einfache Fragen und einfache Aussagen zu verstehen (vorwiegend pragmatische Ebene);
  • der aktive Wortschatz, gegliedert nach wichtigen Erfahrungsbereichen (semantische Ebene);
  • die Beherrschung einfacher Wortbildungs- und Satzbaumuster der deutschen Sprache (morphologisch-syntaktische Ebene).
 

Lexik

  • Nomen: 170
  • Verben: 86
  • Adjektive: 63
  • Adverbien: 38
  • Präpositionen und Konjunktionen: 21
  • Sonstige: 53

1 Verstehen

Der Abschnitt 'Verstehen' überprüft die passive Verstehensfähigkeit in den Bereichen Aufforderungen / Handlungsanweisungen, Fragen und Fragestellungen / Aussagen / Behauptungen.

  1. Einfache Handlungsanweisungen
    1. Ich möchte feststellen, was du schon auf deutsch verstehst.
    2. Zuerst gebe ich dir nacheinander 12 einfache Aufträge.
    3. Wenn du einen Auftrag verstehst, tu bitte, was ich dir sage!
    4. Wenn du einen Auftrag nicht verstehst, schüttle den Kopf!
  2. Einfache Fragen
  3. Einfache Aussagen
 

2 aktiver Wortschatz

In diesem Teil … geht es darum, den aktiven Wortschatz des Probanden zu ermitteln. Aussprache und grammatische Korrektheit sind sekundär. Der gesamte Teil ist nach Lebens- bzw. Erfahrungsbereichen geordnet. In der Regel werden den Probanden → Abbildungen dieser Bereiche vorgelegt, zu denen er relativ frei erzählen soll. Gegebenenfalls zeigt der Versuchsleiter auf Einzelheiten und stellt entsprechende Zusatzfragen (auf deutsch): Was ist das? Wie heißt das? Wer ist das? Was tut/macht er/sie?

 

3 Wortbildung & Syntax

Im dirtten Teil geht es darum festzustellen, welche einfachen Wortbildugnsmusster und welche wichtigen Satzbaumuster der proband bereits kennt und anwenden kann.

  1. Wortbildung: Im Bereich der einfachen Wortbildungsmuster soll festgestellt werden,
    • welche Formen der Kompositumbildung der Pb. im Bereich der Nomen beherrscht
      (V + N, Adj. + N, N+ N) bzw. der Adjektive (N + Adj.),
    • ob er in der Lage ist, präfigierte Verben richtig einzusetzen,
    • ob er wichtige Nomen- und Adjektivsuffixe anwenden kann.
       
  2. Satzbau: Im ersten Teil soll die passive Kompetenz für wichtige Satzbaumuster getestet werden, im zweiten Teil kommt es auf den richtigen Kasusgebrauch und die richtige Satzstellung an. Als wichtige Satzbaumuster werden angegeben:
    S - P (Peter lacht.)
    S - P - Eakk (Vater liest die Zeitung.)
    S - P - Eakk - Edat (Hans gibt dem Hund den Knochen.)
    S - P - Epräp (Vater sitzt auf dem Sofa.)
    S - P - Eakk - Epräp (Die Mutter stellt den Korb auf den Tisch.)

Literatur

Luchtenberg, Sigrid & Neumann, Hans-Joachim & Wespel, Manfred (1982) Informeller Test zur Sprachstandsdiagnose bei ausländischen Kindern und Jugendlichen. In: Türkische Kinder in unseren Schulen. Eine pädagogische Herausforderung. Stuttgart: Klett, 134-176; weitere Literatur