Possessiv « |
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Im Folgenden werden schriftliche Äußerungen von erwachsenen Deutschlernern analysiert, die sie bei der Verbalisierung einer Bildergeschichte machten. Als Schreibhilfe waren zusätzlich zu der Vater & Sohn-Geschichte Fragen von Eppert 1983 mit abgedruckt. Diese Fragen verwendeten viele Lerner als Gerüst für ihre eigenen Ausführungen. Dennoch zeigen sich zwischen den Texten der Lerner große Unterschiede, die analysiert werden. | ||
Frage: | abgeleitete Antwort: | |
Was hat der Vater in der Hand? → |
der Vater hat in der Hand Was / Gewehr | |
NOM | ||
COLI: |
Der Vater hat in seiner Hand ein Gewehr. | |
Mein Vater hatte sein Gewehr. | ||
SADI: |
Er hat das Gewehr seinem Hand gehabt | |
GEN | ||
ERKI: |
seines Vaters in der Hand hat ein Gewehr | |
FIDA: |
Es gibt meines Vaters bei Hand das Gewehr. | |
DAT | ||
ATAS: |
Dem Vater seine Hand hat ein Gewehr. | |
Analyse |
Besitzer & Besitzort in Kontaktstellung |
Besitzer durch Verb vom Besitzort getrennt |
Besitzer nicht im Nominativ typisch türkische Konstruktion* zum |
Besitzer im Nominativ typisch 'germanische' Konstruktion | |
baba-n- Vater-N-GEN Hand-POSS-N-LOK 'des Vaters Hand-seine-drin' 'in der Hand des Vaters' -N- = Füllkonsonant |
Es zeigt sich, daß die gewählte Kontaktstellung der türkischen Standardkonstruktion zum Ausdruck possessiver Verhältnisse entspricht, der sog. (festen) Wortverbindung. Im Deutschen gibt es eine umgangssprachliche Konstruktion, die dem Türkischen ähnelt: Es kann also durchaus sein, daß ATAS die Dativkonstruktion unter deutschem Einfluß als die Konstruktion gewählt hat, die dem Türkischen am nächsten kommt (vgl. Meyer-Ingwersen & Neumann & Kummer 1977). | |
Fazit: |
Die Analyse der Possessivkonstruktionen zeigt, daß ein Teil der Lerner die vorgegebene Formulierung in der Frage abgewandelt hat, so daß die Kontaktstellung zwischen Besitzer und Besitzort erhalten bleibt. Dabei haben sie den Ausdruck für den Besitzer morphologisch so verändert, daß er in Abhängigkeit von anderen Ausdrücken steht und nicht - wie im Deutschen - die Grundlage der Äußerung bildet. Die Veränderungen korrespondieren mit typischen Konstruktionsverfahren des Türkischen zum Ausdruck von Besitzverhältnissen. Deshalb kann hier ein Einfluß der L1 Türkisch auf die Lernersprache angenommen werden. Dem entspricht auch die Verbwahl von FIDA mit 'es gibt'. Possessivkonstruktionen mit dem Verb 'haben' sind durchaus nicht der Normalfall, wie es vom mitteleuropäischen Standpunkt aus scheinen könnte. | |
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© W. Grießhaber 2002-2010 |