Processability Theory: Deutsch Erwerbsstufen des Deutschen als L2


Ausgangsüberlegung:

Die Äußerungen von Zweitsprachlernern zeigen den Verlauf des Spracherwerbs an.
Analyse der Variation der Lerneräußerungen.

Erwerbsstufen:

Äußerungen von Lernern, die zwischen den Lernern kaum variieren, zeigen notwendige Stufen des Erwerbs einer Zweitsprache an

 

entscheidend für den Erwerb des Deutschen als L2 ist die → Wortstellung;
problematisch sind die Stellung des finiten Verbelements an der 2. Stelle im (Haupt-)Satz, die sog. Verbzweit-Regel und die Stellung des infiniten Verbelements am Satzende.

individuelle Variation:

Äußerungen von Lernern, die zwischen den Lernern stark variieren, zeigen individuelle Varianten im Erwerbsverlauf an

 

dagegen spielen die korrekten Flexionsendungen (Konjugation, Deklination) nur eine nachgeordnete Rolle beim Erwerb des Deutschen als L2.




(X)

Kanonische Wortstellung

 

Subjekt

Verb

Objekt

   
 

die Kinder

spielen

mim ball

   
 

NP

V

NP

   
 

(X + 1)

ADV = Adverb Voranstellung

 

da

Kinder

spielen

   
 

AP

NP

VP

   
 

Äußerungen dieser Stufe weichen von der Standardwortfolge ab; die erforderliche Inversionsregel von Verb und Subjekt wird erst später erworben.

 

(X + 2)

SEP = Verb Separation / PART = Partikelshift

 

alle Kinder

muß

die pause

machen

 
 

NP

Vfin

NP

Vpart

 
 

(X + 3)

INV = Inversion von finitem Verb und Subjekt

 

dann

hat

sie

wieder die knoch

gebringt

 
 

AP

Vfin

NP

 

Vpart


Sprachpsychologische Verarbeitungskomplexität ist maßgeblich für die Erwerbsreihenfolge:

  1. Kanonische Ordnung S V O entspricht psychologischer Strukturierung:
    Actor (Subjekt) ∼ Action (Verb) ∼ Object (of action)
     
  2. Aneignung von Strukturen erfolgt über die Manipulation von Randelementen:
    ADV (=Adverb Voranstellung) und SEP (Aufspaltung des Verbs) an den Rändern der Konstruktionen
     
  3. Aufbrechen von Ketten durch Bewegung von Elementen in hervorgehobene Positionen
     

Pienemann, Manfred (1986) Is language teachable? Psycholinguistic experiments and hypotheses. In: Australian Working Papers in Language Development 1.3/86 (auch: Hamburg: Arbeiten zur Mehrsprachigkeit 21/87), 52-79
Weitere Literatur zur Processabilityhypothese