Pragmatik Pragmatik « MSE L1-Erwerb | eps-logo EPS | Examenstips Examenstips | W. Grießhaber |

Pragmatik Frühe Eltern-Kind Dialoge: Arten & Funktionen elterlicher Äußerungen

Rein-Raus: Aufgabe / Lösung | Konstellationen: Bilderbuch | Eltern-Kind: Überblick / Details | Verständnissicherung


(1) Rekationen auf Gesprächsangebote
  • Aufrechterhaltung der Kommunikation,
    Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse nach kommunikativer Zuwendung
  • latentes 'Lehren' oder 'Vermitteln' von Kommunikationswissen: daran erkennbar, wie der Erwachsene die kindlichen Äußerungen behandelt
 
(2) Feedback bei referentieller Zuwendung von ungrammatischen Äußerungen
  • Bestätigung: Ja, das ist ein Ball.
  • Korrektur der Referenz mit neuer Bennung: Das ist kein Ball, das ist ein Jo-Jo.
  • Korrektur mit Erklärung: Das ist ein Jo-Jo, sieh das geht hoch und runter.
  • Korrektur der Referenz mit Erklärung dann häufiger, wenn die Wort – Objekt – Beziehung stabiler. (Kinder 1;1 – 1;7 / Chapman 1986)
 
(3) Feedback & grammatische Korrektheit - 'Korrekturverhalten'
  • nicht normgerechte Äußerungen häufiger anerkannt durch Bestätigung und erweitert als grammatisch normgerechte (Kinder 1;9 – 2;2 /Penner 1987)
 
(4) Entwicklung von Dialogfähigkeit
  • Eltern reagieren schon sehr früh auf kindliche Sprachäußerungen, auch auf solche, die nicht partnerorientiert sind;
  • sie interpretieren sie als gesprächseröffnend und als Thema eines sog. Thema – Kommentar – Paares
  • Kind wird für Gesprächssequenzierung sensibilisiert, Dialogfähigkeit
  • Kind lernt, einen eigenen Redebeitrag an den gehörten anzufügen
 
(5) Modellierung reaktiver Beiträge
  • Erwachsener zeigt dem Kind, daß er eine Mitteilung auf ganz bestimmte Weise 'behandelt', z.B., als eine zu bestätigende Mitteilung, als eine zu korrigierende Mitteilung oder als unverständliche Äußerung, deren Verstehen durch eine Rückfrage gesichert wird.
  • Erwachsener modelliert reaktive Redebeiträge mit unterschiedlichen Gesprächsfunktionen vor; Kind lernt, daß Mitteilungen nicht einheitliche Reaktionen auslösen.
 
(6) Weiterentwicklung
  • elterliche Redebeiträge mit der Funktion einer expliziten Korrektur erscheinen erst ab einem bestimmten Alter:
  • Eltern nehmen Komponenten der kindlichen Sprache in ihr Blickfeld, die ihnen intuitiv als nächster möglicher Schritt erscheinen
 
(7) Vermittlung von Bedeutungsstrukturen
  • einfache Bestätigungen nicht in vollständigen Sätzen, das Wesentliche wird ohne "grammatische Redundanz" mitgeteilt
  • Phonetische Korrekturen zur Präzisierung der phonetischen Gestalt

Literatur
  • Reimann, Bernd (1990) Gesprächsfunktion und sprachliche Struktur reaktiver elterlicher Redebeiträge im frühen Kind - Eltern - Dialog. In: Nitsche, U. & Reimann, B. (Hgg.) Sprachliche Kommunikation bei Kindern (VII). In: Linguistische Studien, Reihe A, Arbeitsberichte 204. Berlin: Akademie der Wissenschaften, 1-38