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Nativismus Nativismus: Parameter im L1-Erwerb

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[ Learning vs. triggering | Anfangswert | Triggering | Reifung vs. Ordnen | Setzung von Parameterwerten ]

 

Learning vs. triggering:

Nativistische Spracherwerbstheorien basieren auf der Annahme eines LAD, der das Kind in die Lage versetzt, aus dem teilweise inkorrekten Input eine komplette Grammatik zu entwickeln. Da Lernen als zentraler Erwerbsmechanismus ausscheidet, muß das Kind über ein angeborenes grammatisches Wissen verfügen, das in der Kommunikation mit Erwachsenen angestoßen wird und zur erwachsenengemäßen Grammatik führt. Dabei spielt die Annahme von → Parametern eine zentrale Rolle. Angeboren sind die universellen Prinzipien, die allen menschlichen Sprachen zugrundeliegen, während sprachspezifische Eigenschaften parametrisiert sind. Da die parametrisierten Eigenschaften zusammenhängen, reicht die Setzung (triggering) weniger Parameter, um weite Bereiche sprachspezifischer Regeln ohne Lernen zu erwerben.

 

Anfangswert von Parametern:

Welchen Status haben die Parameter bei Beginn des Spracherwerbs? Dazu gibt es zwei logische Positionen:

  1. Der Spracherwerb beginnt mit einem von der UG gesetzten Parameter (z.B. head-initial); wenn dieser Wert für die zu lernende Sprache nicht zutrifft, wird das Kind durch den Input veranlaßt, den Parameter auf den richtigen Wert zu setzen;
  2. Bei Beginn des Spracherwerbs sind alle Parameterwerte gleichmaßen zugänglich, d.h. er ist (noch) nicht gesetzt; während einer gewissen Zeit kann er gesetzt werden.

Es spricht einiges dafür, daß der Spracherwerb mit voreingestellten Defaultwerten beginnt, die erforderlichenfalls neu gesetzt werden (resetting).

 

Triggering von Parameterwerten:

Dem Mechanismus der Parametersetzung kommt eine zentrale theoretische Bedeutung zu, da zu erklären ist, wie aus beobachteten Daten grammatische Werte werden, ohne daß Lernen (im behaviorstischen Sinne) vorliegt. Theorieimmanent ist dabei zu erklären, wie das Kind ohne positive Evidenz, d.h. ohne daß ihm die Regeln erklärt werden, aus den Daten die Parameterwerte gewinnt. Das Kind muß in der Lage sein, den Input in irgendeiner Weise zu bewerten.

Ein Lösungsansatz nimmt an, daß das Kind über eine Art Parser verfügt, mit dessen Hilfe es (unbewußt) mit Äußerungen experimentiert und aufgrund der Reaktion der Erwachsenen sein Entscheidungen trifft. Dabei helfen korrektive Handlungen der Erwachsenen beim Erkennen falscher Hypothesen.

Nach einem anderen Ansatz sind Eigenschaften der Äußerungen für den Setzungsprozeß verantwortlich: nur solche Parameter, die mehrere Eigenschaften aufweisen, fungieren als Schalter. Danach genügt ein spezifischer Wert, der den Parameter eindeutig kennzeichnet, zur Setzung. Als Beispiel dient der Pro-drop Parameter (die Obligatorik, mit der wie im Deutschen ein Subjektspronomen grammatisch erforderlich ist). Hier genügen dem Kind wenige Sätze mit expletivem es als inhaltlich leerem Subjekt, um zu erkennen, daß die Sprache, die es erwirbt, eine Non-Pro-drop-Sprache ist.

Die Forschung richtet sich u.a. darauf, zu ermitteln, welche Menge an relevanten Daten zur Parametersetzung erforderlich sind und ob die Daten allen Lernern zugänglich sind. Idealiter sollte schon ein eindeutiges Vorkommen zur Parametersetzung ausreichen.

 

Reifung vs. Ordnen von Parametern: oder die innere Logik des Spracherwerbs

Wie kommt es, daß bestimmte Regeln in jeweils einer bestimmten Reihenfolge erworben werden? Sind Eigenschaften der zu erwerbenden Sprache entscheidend oder Reifungsprozesse im Lerner? Meisel plädiert dafür, möglichst ohne externe Faktoren auszukommen; er nimmt deshalb an, daß grammatische Eigenschaften der zu erwerbenden Sprache für die beobachtbare Erwerbsreihenfolge verantwortlich sind.

 

Setzung von Parameterwerten: wie kann man sich das Setzen vorstellen?

Diese Frage stand bislang nicht im Zentrum der Forschung. Nach Haider 1993 erfolgt die Setzung in drei Schritten:

  1. in den Inputdaten muß eine bestimmte Eigenschaft identifiziert werden;
  2. die identifizierte Eigenschaft muß als relevant für die Parametersetzung erkannt werden; und
  3. der Parameterwert muß den Eigenschaften der Inputdaten entsprechend gesetzt werden.
Man kann nun annehmen, daß diese Prozesse unbewußt, ohne aktives Mittun des Kindes quasi halbautomatisch ablaufen (induktives Lernen und Hypothesentesten). Gegen diese Ansicht spricht, daß das bloße Ausgesetztsein zu sprachlichem Input (z.B. passive Fernsehrezeption) für den Erwerb nicht ausreicht. Meisel plädiert auch in diesem Fall konsequent für eine Lösung ohne aktiven Anteil des Lerners (deduktive Regelableitung aus den UG-Prinzipien). Schließlich ist zu klären, ob ein Parameterwert auch falsch gesetzt werden kann.


Literatur

Meisel, Jürgen M. (1995) Parameters in acquisition. In: Fletcher, P. & MacWhinney, B. (eds.) The Handbook of Child Language. Oxford: Blackwell, 10-35
Haider, H. (1993) Principled variability: parametrization without parameter fixing. In: Fanselow, G. (ed.) The Parametrization of Universal Grammar, 1-16. Amsterdam: Benjamins