Fachsprachensyntax: Wissenschaftssprache - Benes 1981



Definition

"Unter Wissenschaftssprache verstehen wir dabei diejenigen sprachlichen Mittel, die allen wiss. Fachsprachen gemeinsam sind, d. h. vor allem in wiss. Texten aller oder mehrer Fächer die höchste Frequenz aufweist (…), und die Besonderheiten in der Wortbildung und Syntax, die für die wiss. Fachsprachen insgesamt typisch sind."

"Die Hauptziele, die die Kommunikation im wiss. Bereich verfolgt, sind die Vollständigkeit und Präzision der Aussage; daneben kommen auch das Streben nach Knappheit (Informationsökonomie) und der Hang zur Standardisierung (Schablonisierung) zur Geltung."

"Als charakteristisch für die WS wird meist auch ihre Tendenz zu einer unpersönlichen Darstellung betrachtet. (…) Der wiss. Stil ist im wesentlichen sachlich-objektiv und intellektualisiert, wie es seiner kommunikativen Hauptfunktion entspricht;"

 

Satzbau, Satzlänge

"Ein entscheidendes Merkmal der modernen WS ist die Verkürzung der Satzlänge."

"Mit der Verkürzung der Gesamtsatzlänge ist der Rückgang der Satzgefüge verbunden …"

"Dafür ist aber der Einfachsatz stark erweitert und reich aufgefüllt."

"In der WS überwiegt der vollständige Satz mit einem Verbum finitum. Daneben kommen aber auch andere ('elliptische') Gebilde vor, von Eggers (1962) "Setzungen" genannt, und zwar:
a) verblose, zweigliedrige Kurzsätze,
b) eingliedrige Sätze, … vor allem Nominal-, Adverbial-, Infinitiv- und Partizipialsätze ...."

 Syntakt. Merkmale Benes

nach den Daten in Tabelle S. 190 zum Satzbau

 
  • Einfachsätze: ca. 50%
  • Satzreihe: ca. 10%
  • Satzgefüge: durchschnittlich unter 40%; 1-2 NS
  • verbale Einzelsätze insgesamt:
    • HS: vollständige Hauptsätze
    • NS ins.: Nebensätze insgesamt
    • NS rel.: relative Nebensätze

Buch 

Benes, E. (1981) Die formale Struktur der wissenschaftlichen Fachsprachen in syntaktischer Hinsicht. In: Bungarten, T. (Hg.) (1981) Wissenschaftssprache. München, 185-212