Missverständnisse durch Nutzung latenter kommunikativer Ressourcen und Maßnahmen zu ihrer Vermeidung |
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Forschungsprojekt gefördert im NRW-Exzellenzwettbewerb "Geisteswissenschaften gestalten Zukunftsperspektiven" | ||
Transkript- & Text- Thesaurus | |
Überblick | Hintergrund | Abschlussbericht | Texte | Bsp.: Fernsehen |
[ Beispiel Fernsehen: Hintergrund | Schülertext | Lehreranmerkungen | Erläuterungen ] |
Hintergrund |
Eine in Rußland geborene Schülerin schreibt einen Aufsatz zur Frage: Warum kann ich mir ein Leben ohne Fernsehen nicht vorstellen? |
Der Text der Schülerin |
In meinem Aufsatz möchte ich mich zu der Frage äußern, warum man sich nicht ein Leben ohne Fernsehen vorstellen kann. Natürlich gibt es verschiedene Argumente, die sowohl für als auch gegen Fernseher sprechen. Einige davon, die aus meiner Sicht besonders wichtig sind, möchte ich im Folgenden genauer xxx erläutern. Ein erstes Argument für den Fernseher ist für mich, dass er die Quelle der Information ist. Es gibt eine gewisse Menge der wissenschaftlich-populären Sendungen, die aus meiner Sicht sehr interessant und neugierig sind. Außerdem ist er die Quelle der Unterhaltung. Viele Menschen mögen verschiedene Comedy-Shows. Ich bin auch der Meinung, dass die Vielfalt des Fernsehens auch eine große Rolle ist spielt. Es gibt so viele öffentliche und private Fernsehprogramme, die landesweit oder sogar weltweit senden, aus denen man sich nach seinem Geschmack xxx wählen kann. Andererseits sprechen auch einige Argumente gegen das Fernsehen. Eines davon ist, dass die Kinder heutzutage viel zu viel fernsehen. Ein ausgeprägter Beispiel ist mein eigener Bruder. Nach der Schule, wenn er kein Fußballtraining hat, sieht er nur fern oder spielt am Computer. Um ihn abzulenken, müssen wir uns anstrengen und immer wieder neue Spiele ausdenken. Außerdem gibt es verschiedene Nachteile des Fernsehens im Vergleich zu anderen Medien. Meiner Meinung nach kann es nur einen einseitigen Umgang bieten, wie es zum Beispiel im Internet oder per Telefon wäre. Zum Schluß möchte ich sagen, dass das Fernsehen eine sehr unersetzliche Sache in uns unserem Leben ist. Man muss nur beachten, es nicht zu miß missbrauchen. Wörter: 250 |
Der Text mit Lehreranmerkungen | |
In meinem Aufsatz möchte ich mich zu der Frage äußern, warum |
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Ein erstes Argument für den Fernseher ist für mich, dass er die Quelle der Information ist. Es gibt eine gewisse Menge der wissenschaftlich-populären Sendungen, die aus meiner Sicht sehr interessant und neugierig sind. Außerdem ist er die Quelle der Unterhaltung. Viele Menschen mögen verschiedene Comedy-Shows. |
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Ich bin auch der Meinung, dass die Vielfalt des Fernsehens auch eine große Rolle ist spielt. Es gibt so viele öffentliche und private Fernsehprogramme, die landesweit oder sogar weltweit senden, aus denen man |
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Andererseits sprechen auch einige Argumente gegen das Fernsehen. Eines davon ist, dass die Kinder heutzutage viel zu viel fernsehen. Ein ausgeprägte |
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Außerdem gibt es verschiedene Nachteile des Fernsehens im Vergleich zu anderen Medien. Meiner Meinung nach kann es nur einen einseitigen Umgang bieten, wie es zum Beispiel im Internet oder per Telefon wäre. |
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Zum Schlu |
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Wörter: 250 | |
Erläuterungen | |
allgemein |
Wie in den allermeisten Fällen korrigiert die Lehrkraft nicht alle 'Fehler' bzw. Abweichungen von der standardsprachlichen Norm, sondern lediglich einige. Diese Fokussierung kann didaktisch begründet sein. Die angemerkten Fehler betreffen bestimmte unpersönliche Konstruktionen, die Lexik und die Orthographie. Außerdem wird im vorletzten Abschnitt noch die Kürze der Ausführungen kritisiert. |
Lexik |
neugierig: im Deutschen ist neugierig nicht eine Eigenschaft einer Information oder eines Films, sondern eine Eigenschaft eines Lebewesens. Passend wären z.B. informativ oder wissenswert. Genau die letzten beiden Adjektive entsprechen zusammen mit neugierig dem russischen Adjektiv ljubopytnyi. Es kann demnach angenommen werden, dass die Schreiberin latent auf russische Ressourcen zurückgegriffen hat. |
'Kürze' |
In dem als zu kurz kritisierten Abschnitt fällt auf, daß die Schreiberin das Gegenteil dessen geschrieben hat, was sie eigentlich ausdrücken wollte: sie stellt das unidirektionale Fernsehen in eine Reihe mit den bidirektionalen Medien Telefon oder Internet, über die dialogische Interaktionen möglich sind. Passend wäre also z.B. eine Formulierung wie: anders als z.B. Internet oder Telefon. Hier hätte weniger die Kürze der Ausführungen Anlaß zu Kritik gegeben, als ihre mangelnde Logik. So wird die Schreiberin nicht darauf aufmerksam gemacht, daß ihre Ausführungen für einen deutschen Leser unlogisch sind. Eine Rekonstruktion der Passage im Russischen ergibt eine grammatisch und logisch passende Formulierung: ne tak, kak eto, naprimer, bylo by w internete ili po telefonu Hier liegt ein typischer Fall der im Projekt zu untersuchenden latenten Ressourcenübertragung vor. |
Determination |
Typisch für Deutschlernende einer Sprache ohne Artikelsystem sind abweichende Verwendungen des deutschen Artikels, wie z.B. in folgendem Satz (s. → Grießhaber 2005): Ein erstes Argument für den Fernseher ist für mich, dass er die Quelle der Information ist. Es gibt eine gewisse Menge der wissenschaftlich-populären Sendungen, die … |
Grießhaber, Wilhelm (2005b) "Jagdeifer und Reue" - Texte von Studierenden aus Almaty in Deutsch. In: Bismark, H. & Honemann, V. & Neuß, E. & Tomasek, T. (Hgg.) Usbekisch - deutsche Studien. Münster: LIT, 19-41; weitere Literatur |
© W. Grießhaber 2005-2008; letzte Änderung: 28.07.2008 |