Artikel im ZSE/DaZ: Galperins Interiorisierungstheorie


[Bsp.: Artikelvermittlung | → Realisierung: Schülerparaphrasen / → Linguistik]


Grundlage und Ziele: Aus Wygotskis Tätigkeitstheorie hat Galperin eine Lerntheorie entwickelt, die auch als Vermittlungstheorie dient. Die Grundlage bildet die Zerlegbarkeit (komplexer) Handlungen in Teiloperationen. Der Erwerbsprozeß einer komplexen Handlung verläuft dabei über die schrittweise Aneignung von Teiloperationen. Dabei verläuft die Aneigung vom zunächst äußeren Vollzug einer Teiloperation bis zu ihrer Automatisierung von innen nach außen, d.h. als Interiorisierung. Die Verbalisierung der einzelnen Schritte dient als Bindeglied vom äußeren Vollzug zur inneren Ausbildung eines Handlungsschemas.

Baur und Baur & Rehbein haben die Theorie für den Fremdsprachenunterricht aufbereitet und in der Vermittlung des deutschen Artikelsystems für türkische Jugendliche im Unterricht erprobt. Die Errpobung umfaßt eine Darstellung der Systematik der deutschen → Artikelverwendung und Beobachtungen des Vermittlungsprozesses. Dabei fallen folgende Aspekte auf: die Schüler paraphrasieren Äußerungen der Lehrperson (→ Schülerparaphrasen), Aneigungsvesuche der Aritkelverwendung mit mißglückenden Erklärungsversuchen (→ Bsp. B).


1.

Propädeutische Etappe

2.

Erste Etappe
Bildung einer Orientierungsgrundlage:

  1. Bekanntwerden mit dem Schema und dem Modell der strukturell dargestellten grammatischen Erscheinung
  2. Bekanntwerden mit dem Handlungssystem, das zum Erkennen, Bilden und zum Gebrauch der entsprechenden Erscheinungen führt

3.

Zweite Etappe
Die Ausbildung von Handlungen in materialisierter Form unter Hinzuziehung graphischer Schemata und Kärtchen mit den Handlungsalgorithmen (unter begleitender lauter Rede).

4.

Dritte Etappe
Die Herausbildung von Handlungen in lauter Rede ohne Rückgriff auf die materialisierten Objekte. … die Muttersprache der Lerner ist die Metasprache im Erwerbsprozeß; Reduzierung der Ausformulierung der Operationen durch Benennung der Nummer der Operation.

5.

Vierte Etappe
Durchführung der Handlung in äußerer Rede vor sich selbst in Form von Übungen, die kommunikativen Charakter haben, aber grammatische Anweisungen einschließen (etwa: - Was wirst du morgen zu Hause machen? / Benutze das Futur!/). Die grammatischen Strukturen werden noch bewußt wahrgenommen.

6.

Fünfte Etappe
Die grammatischen Strukturen werden automatisiert in situativ-kommunikativen Kontexten verwendet.


Literatur

Baur, Rupprecht S. & Rehbein, Jochen (1979) Lerntheorie und Lernwirklichkeit. Zur Aneignung des deutschen Artikels bei türkischen Schülern: ein Versuch mit der Gal'perinschen Konzeption. In: OBST 10/79, 70-104; weitere Literatur