FSU: Lehrwerkkritik - Mannheimer Gutachten (1977)


[ Didaktik | Linguistik | Landeskunde | Vorannahmen | Positionen ]


Die Kriterienbereiche:

  1. Didaktische Kriterien
  2. Linguistische Kriterien
  3. Landeskundliche Kriterien


Vorannahmen

Die Kommission formulierte einige Aussagen, die als konzeptionelle Vorannahmen verstanden werden können, wie ihrer Meinung nach guter DaF-Unterricht aussehen sollte/könnte:

"Als gemeinsamer Nenner hat zu gelten, daß der Unterricht in Deutsch als Fremdsprache den Lerner in jedem Fall zu aktivem, produktivem Gebrauch der Sprache befähigen soll. Andere Konzeptionen (z.B bloß rezeptive Sprachbeherrschung, reines Leseverständnis) haben für spezielle Adressatengruppen durchaus ihre Berechtigung; jedoch erstreckt sich die hier vorgenommene Begutachtung nicht auf Lehrwerke mit derart eingeschränkter (ausschließlicher) Zielsetzung."

"Die Anerkennung des oben formulierten Generalnenners bedeutet - unter Einbeziehung der sogenannten 'kommunikativen Didaktik', der Sprachhandlungstheorie und der Pragmalinguistik sowie weiterer didaktischer und linguistischer Theorieansätze, die in der letzten Zeit entwickelt wurden -, daß in Lehrwerken nicht nur das Sprachsystem (die Gramamtik), sondern auch die Bedingungen der Sprachverwendung zu berücksichtigen sind, und daß dem Lernenden genügend Gelegenheit geboten werden muß, die Sprache schon im Lernprozeß tatsächlich zu verwenden.

"… Daher war auch zu prüfen, ob die einzelnen Lehrwerke Möglichkeiten anbieten, Alternativen zu einem ausschließlich lehrerzentrierten Unterricht zu entwickeln. Auch diese Frage darf selbstverständlich nicht abstrakt, sondern immer nur orientiert an speziellen Zielsetzungen und Zielgruppen gestellt werden."


5 Positionen in den Bewertungen

In den beschreibenden und bewertenden Teilen finden sich auch Ausführungen, die erkennen lassen, wie sich die Kommission erfoglreichen Fremdsprachunterricht vorstellt.

"… so nachdrüklich muß gleichzeitig darauf hingewiesen werden, daß der Erwerb eines ausreichenden Sprachbewußtseins in den rein audiolingualen Lehrwerken in der Regel zu kurz kommt. Die vermutlich optimale Verknüpfung beider Ansätze, etwa so, daß ein sprechhandlungsorientierter Unterricht mit dem Ziel wirklicher Sprechfähigkeit- 'Gesprächsfähigkeit' - sinnvoll kombiniert mit einem vorsichtig dosierten Hinführen zum durchblickenden Sprachbewußtsein, ist in den vorliegenden Lehrwerken erst in Ansätzen erkennbar."

"In den vorliegenden Lehrwerken finden sich bisher nur Ansätze, die den Übergang von einem eher induktiven und fertigkeitsorientierten Unterricht zur Herausbildung eines reflektierten und regelgesteuerten Sprachbewußtseins ermöglichen sollen."

"Das generelle Bestreben, in den Unterrichtsmaterialien ohne grammatische Terminologie auszukommen, muß im Unterricht für Erwachsene (wo man ohne Benennung sprachlicher Einheiten in Schwierigkeiten gerät) zu Problemen führen."

"Die zweite Grundentscheidung betrifft den Unterrichtsstil: Wenn Sprachverwendung erlernt werden soll, dann muß auch der Unterricht bereits zur selbständigen Sprachverwendung hinführen; d.h. es ist Abschied zu nehmen von ausschließlich lehrerzentrierten Frontalunterrichtsformen. Die Lehrwerke haben Material bereitzustellen, das auch lerner- und medienorientierte Arbeitsformen in kleinen Gruppen oder in Form von Partnerarbeit erlaubt. Der Medienverbund bietet für solche Lernkonzepte gute Voraussetzungen: …"

"Damit soll nicht einer bestimmten linguistischen Konzeption als Grundlage für Fremdsprachenlehrwerke das Wort geredet werden. Es muß aber in jedem Fall verlangt werden, daß es sich um eine einheitliche Konzeption handelt und daß diese Konzeption auch in allen Einzelschritten durchgehalten wird."


Literatur

Engel, Ulrich u.a. (1977) Mannheimer Gutachten zu ausgewählten Lehrwerken, Deutsch als Fremdsprache. Erstellt im Auftrag des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland von der Kommission für Lehrwerke DaF: Engel, U. u.a. Heidelberg: Groos
Literatur