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Wirtschaft: Merkmale A, B | EU-Binnenmarkt | Dikursiv: Bührig | Projekt: Urzainqui & Costabiei | IKK: Genadieva |
Resümee aus einem Vergleich naturwissenschaftlich-technischer Fachsprachen mit der Fachsprache der Wirtschaft: "Aus der Gegenüberstellung geht hervor, daß sprachliche Kompetenz im Bereich Wirtschaft generell an ein höheres sprachliches Niveau gebunden ist als die sprachliche Kompetenz im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Dies trifft auf die Lesekompetenz ebenso zu wie auf die Kompetenz bei der mündlichen oder schriftlichen Sprachproduktion. Auch die Hörkompetenz ist davon betroffen, da nur in der Hälfte der Fälle die mündliche Informationsübermittlung derartig von einem Zeigefeld unterstützt wird wie auf dem naturwissenschaftlich-technischen Sektor. Dazu kommt in manchen Bereichen, die der Fachsprache Wirtschaft zuzurechnen sind wie z. B. Geschäfts- und Handelsdeutsch (Business German), erschwerend hinzu, daß keine durch vergleichbare Sozialisation bedingte, interkulturell gültige Kommunikations- und Verhaltenssysteme die Verständigung stützen und absichern, sondern daß es vielmehr aufgrund unterschiedlicher Sozialisationsformen und -ergebnisse und kulturell unterschiedlicher Verhaltensgewohnheiten zu zusätzlichen Kommunikationsproblemen, z.B. in der Interaktion in Verhandlungen, Konferenzen etc. kommen kann. Wenn von "höherem sprachlichen Niveau" als in den Naturwissenschaften und der Technik gesprochen wird, dann ist damit der in bezug auf die Allgemeinsprache weniger stark reduzierte Sprachbestand gemeint. Demzufolge lassen sich Fachsprachenkurse in Wirtschaftsdeutsch sinnvollerweise dann ansetzen, wenn die wesentlichen morphologischen und syntaktischen Lernpensen bereits absolviert sind, da auch im Bereich Wirtschaft die lexikalischen Lernpensen sehr groß sind und der Kurs angesichts der Gesamtlernmenge von Lexik, Syntax, Morphologie, Kommunikationsverfahren und Textbauplänen nicht sehr weit in die Sprache der Wirtschaft einführen könnte. Mit anderen Worten: Arbeitet man mit Adressaten mit Grundkenntnissen, die etwa dem Zertifikatsniveau entsprechen, so kann man ihnen innerhalb einer überschaubaren Zeit dazu verhelfen, daß sie sich selbst entsprechend weiterbringen können. Ein Kurs in Wirtschaftsdeutsch hat also um so steilere Lernerfolgskurven zu erwarten, je später er angesetzt wird. Das gilt besonders für Kurse in Geschäfts- und Handelsdeutsch, in denen auch produktive Kompetenz im mündlichen und schriftlichen Bereich Lernziel ist; hier werden nämlich Lernziele wie Verhandlungskompetenz etc. angestrebt." (Buhlmann & Fearns 1987, 323) "Die sprachliche Handlungsfähigkeit im Bereich Wirtschaft ist an die Beherrschung einer relativ breit gestreuten Grundlagenlexik gebunden. Es liegt auf der Hand, daß diese Grundlagenlexik sich systematisch leichter vermitteln und festigen läßt, wenn mit Fachtexten gearbeitet wird, als wenn z. B. Zeitungs- und Magazintexte im Unterricht primär und ausschließlich eingesetzt werden, da diese einen jeweils durch aktuelle Anlässe bestimmten Ausschnitt aus der Fachwirklichkeit mit den entsprechenden lexikalischen Einheiten präsentieren. Gerade angesichts dieser Zufälligkeiten bleibt die Forderung nach systematischer, fachbezogener, qualitativ inhaltsorientierter Arbeit im lexikalischen Bereich, wie sie für die Terminologiearbeit in naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen erhoben wurde, bestehen." (Buhlmann & Fearns 1987, 324) |
Buhlmann, Rosemarie & Fearns, Anneliese (1987) Handbuch des Fachsprachenunterrichts. Unter besonderer Berücksichtigung naturwissenschaftlich-technischer Fachsprachen. Berlin: Langenscheidt |
W. Grießhaber 2004-2005 |