LSP Fachsprachvermittlung / LSP: Didaktische & methodische Konzeptionen


Grundregel

Ausnutzung vorhandener Fachkenntnisse

So wie ein zentrales Moment der Fachsprache ihre Bindung an die Sprecher der Fachsprache, ihr professionelles Wissen und Handeln ist, so stellt die Ausnutzung vorhandener fachlicher Kenntnisse die Basis der Fachsprachvermittlung dar. Dies impliziert auch die Verwendung authentischer Materialien im Unterricht.

Angesichts weit verbreiteter Internationalismen im lexikalischen Bereich und einer oft vorhandenen strikten Terminologie funktioniert dies weitgehend. Die allgemeinen FS-Kenntnisse können dabei unter dem Niveau liegen, das sonst für vergleichbare FS-Kurse liegt.

Die Bindung der Fachsprache an Fachsprachkenntnisse stellt nun umgekehrt auch an die Lehrkräfte die Forderung, selbst über entsprechende Fachkenntnisse zu verfügen. Daran mangelt es jedoch häufig. Fachlich nicht ausreichend kompetente FS-Lehrkräfte stützen sich deshalb nicht auf (möglicheweise unzugängliche) authentische Fachtexte, sondern auf (zugängliche und nachvollziehbare) populärwissenschaftliche oder alltagssprachliche Materialien, bzw. auf einführende Studientexte. Dies kann zu großen Verzerrungen und zur Verfehlung der Vermittlungsziele führen (s. Grießhaber 1999). Unter diesem Gesichtspunkt haben FS-Lehrkräfte ohne Fachkenntnisse zunehmend Probleme, eine Beschäftigung zu finden. So beschäftigt z.B. das Sprachenzentrum der WWU einige ausgebildete Juristen in der juristischen Fachfremdsprachausbildung als Lehrkräfte.

 

Fertigkeitsbasiert

Bei diesem Ansatz werden in geradezu klassischer Weise zuerst die späteren Bedürfnisse ermittelt und daraus unter Berücksichtigung der Vorkenntnisse und der Vermittlungsbedingungen die zu vermittelnden Fertigkeiten und die dazu geeigneten didaktisch-methodischen Vorgehensweisen festgelegt.

Typische Vertreter: Buhlmann & Fearns 1987

Das Vorgehen kann sehr effizient sein. Sein Erfolg hängt von verschiedenen Bedingungen ab: so muß die analytische Basis des zu vermittelnden Fachsprachausschnitts ausreichend genau, zutreffend und didaktisierbar ausgearbeitet sein, es müssen sich ausreichend große homogene Lernergruppen bilden lassen, die ökonomisch vertretbar unterrichtet werden können und es ist dafür Sorge zu tragen, daß die verschiedenen Teilfertigkeiten sich im Lerner wieder zu einer Gesamtheit zusammenfügen. Insbesondere Aspekte der interkulturellen Kommunikation sind bei diesem Ansatz nicht einfach zu integrieren. Nicht zuletzt deshalb dürfte in den zurückliegenden Jahren der interkulturelle Aspekt so betont worden sein.

 

Fallstudien über andere Prozesse

Dabei werden typische Geschäftsprojekte - möglichst mit authentischen Materialien - im Unterricht wie ein Projekt bearbeitet. Vorbild sind die berühmten case studies der Harvard Universität, die deshalb mitunter auch als Harvard Method bezeichnet werden. Im Vordergrund dieses Ansatzes steht die Integration verschiedener Teilfertigkeiten bei der Bewältigung 'realer' Herausforderungen.

Typischer Vertreter: Rings 1999

Als schwierig bei diesem Ansatz gestaltet sich die systematische Berücksichtigung unterschiedlicher Vorkenntnisse sowie die gezielte Entwicklung einzelner Fertigkeiten.

 

Arbeiten an eigenen Problemen

Bei diesem Ansatz berichten Lernende zunächst über ihre Tätigkeit und ihre sprachlichen Aktivitäten. Von diesen Gesprächen werden Transkriptionen angfertigt, die anschließend von der Lehrkraft mit den Lernenden durchgearbeitet werden. Dabei können sich die Lernenden die erforderlichen fach-fremdsprachlichen Mittel aneignen.

Vertreterin: Bührig 1997
Ähnliche Konzepte wurden in der muttersprachlichen Kommunikationsberatung mit Erfolg eingesetzt; s. auch Fiehler 1994

Der Ansatz läßt sich wohl nur in sehr kleinen Gruppen, wenn nicht sogar nur im Einzelunterricht anwenden und ist daher sehr aufwendig. Außerdem muß die Lehrkraft über ausgesprochen gute diskursanalytische Erfahrungen verfügen.



Buch 

Buhlmann, Rosemarie & Fearns, Anneliese (1987) Handbuch des Fachsprachenunterrichts. Unter besonderer Berücksichtigung naturwissenschaftlich-technischer Fachsprachen. Berlin: Langenscheidt
Bührig, Kristin (1997) Innerbetriebliche Wirtschaftskommunikation in der Fremdsprache Deutsch - Erfahrungen mit dem Einsatz von Transkriptionen im Unterricht Deutsch als Fremdsprache. In: Zielsprache Deutsch 4/97, 180-190
Fiehler, Reinhard (1994) Verkaufstraining: Simulation eines Verkaufs-/ Beratungsgespächs. In: Redder, A. & Ehlich, K. (Hgg.) Gesprochene Sprache. Tübingen: Niemeyer, 229-256
Grießhaber, Wilhelm (1999) Fachsprachvermittlungspraxis. DaF-Wirtschaftsdeutsch-Lehrmaterialien und ihre Anwendung im Unterricht. In: Bührig, K. & Matras, Y. (Hgg.) Sprachtheorie und sprachliches Handeln. Tübingen: Stauffenburg, 1-21
Rings, Guido (1999) Fallstudien zur Vermittlung von Wirtschaftsdeutsch - Normen, Realisierungsansätze, Zukunftsvisionen? In: Börner, Wolfgang & Vogel, Klaus (Hgg.) Lehrwerke im Fremdsprachenunterricht. Lernbezogene, interkulturelle und mediale Aspekte. Bochum: AKS-Verlag, 259-285
weitere Literatur