Signalgrammatik (Zimmermann 1977)


Idee

"Bei der Signalgrammatik geht es um ein kognitives Schema, das die in Frage stehende grammatische Regularität im Sinne von Wenn X, dann Y statt in einer metasprachlichen Regel mit Hilfe von Signalwörtern und darauf bezogenen zumeist konkreten sprachlichen Morphemen oder Morphemgruppen abbildet." (S. 123)

  

Beispiel 1

 

 

Je prenne

il faut que

J' aille

 

 

Je mette

  

Erläuterung

"Das Grobziel der Unterrichtseinheit lautet: Die Schüler sollen bei den ihnen bereits bekannten Verben nach il faut que eine Form des subjonctif setzen können. Voraussetzung dieses auf die Gebrauchsbedingungen abhebenden Lehrziels ist die Beherrschung der Morphologie des subjontif der betreffenden Verben. Das Signal wird später mit Stimuli wie il dit que + indicatif konfrontiert.

Das o.a. signalgrammatische Schema kann von den Schülern aus einem Substitutionstafel-Arrangement abgeleitet werden:

 

 

|

tu prennes ton parapluie

il faut qu(e)

|

j' aille tout de suite

 

|

elle mette la table

 

Es ist damit eine Verkürzung auf die wesentlichen Bestandteile des kognitiven Verhältnisses (das Signal "il faut que" und die subjonctif-Form eines Verbs). Die Verkürzung erfolgt allerdings auf dem Hintergrund sämtlicher bei der situativen oder kommunikativen Einführung und dem nachfolgenden Pattern drill verwendeten Verben, so daß eine Generalisierung möglich wird. Es wird nun angenommen, daß, wenn beim Lernvorgang und bei den späteren Übungen das Signal "il faut que" auftaucht, die Schüler mit einer Form des subjonctif reagieren. Diese Reaktion, die durch visuelle (z. B. Tafel) oder akustischen Vorgabe (Lehrerhinweis) zunächst mehrfach bewußt vollzogen wird, ist - so lautet die Hypothese - nach Abschluß der → Integrierungsphase und ggf. weiteren Wiederholungen in den folgenden Unterrichtseinheiten das kognitive Schema in ein nicht-kognitives, 'unbewußtes' Valenzhandeln überführt, wobei der 'hervorrufende, (ursprünglich) kognitive Inhalt', d. h. die Signale, ohne Bewußtheit, d. h. automatisch, die erforderlichen Reaktionen auslösen." (S. 123-124)

  

Beispiel 2

'Anzeichen'

going to

  

 

"Das kognitive Schema ist aus Situationen wie der folgenden hervorgegangen: Look at those dark clouds. I'm afraid it's going to rain. Also: Signal: Anzeichen (hier: dark clouds) → Reaktion going to. … Lehrgegenstand ist generell future time, speziell die Verwendung der going-to-Form bei Vorliegen eines Anzeichens, das mit dem zukünftigen Geschehen in einer kausalen Verbindung gedacht wird.

Das Beispiel macht deutlich, daß nicht nur sprachliche (z. B. il faut que), sondern auch situative (oder gedankliche) Stimuli in den kognitiven Lehrvorgang einzubeziehen sind." (S. 124-125)

 

Grenzen

"Durch den konkreten und damit sehr geringen Regelumfang ist ein nur langsamer Lernfortschritt und eine jeweils beschränkte Generalisierung möglich. Es müssen oft mehrere Signale gelernt werden, wodurch das Lernen unökonomisch werden kann.

Der Lerner kann häufig das bestimmten Signalen gemeinsame Prinzip nicht erkennen und bewegt sich daher in einem gewissen Umfang kognitiv blind auf einem niedrigen Regel-Abstraktionsniveau.

Außerdem ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, daß durch konkrete sprachliche Signale eine ungenaue oder zumindest unvollständige Regelinduktion erfolgt." (S. 129)

"Schließlich ist zu prüfen, in welchen Fällen zusätzlich metasprachliche Regeln und an welcher Stelle im Lehrprozeß hilfreich sein können." (S. 130)


Buch

Kieweg, Werner (2006) Signalgrammatik - Wem hilft sie wirklich? In: Jung, Udo O. H. (Hg.) (20064) Praktische Handreichung für Fremdsprachenlehrer. Frankfurt/M. u.a.: Lang, 211-216
Zimmermann, Günther (1977) Grammatik im Fremdsprachenunterricht. Frankfurt/M.: Diesterweg; weitere Literatur