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Gegensatzpaare |
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Grammatisches Wissen |
In der angewandten Linguistik werden mehrere Begriffspaare zur Kennzeichnung grammatischen Wissens verwendet. Explizit/implizit bezieht sich vornehmlich auf die Klarheit des Wissens, während sich deklarativ/prozedural eher auf die Informatik und deren Handhabung von Variablen bezieht (s.u.). Im Grunde wird mit den Begriffen versucht, zwischen einem eindeutig formal und in der Form von Regeln formulierten/formulierbaren grammatischen Wissen einerseits und einem grammatischen Wissen andererseits zu unterscheiden, das der Sprachverwendung zugrundeliegt, ohne daß die Sprecher dieses aktualisierte/aktualisierbare Wissen näher bestimmen könnten. Während die Muttersprache weitgehend ohne offene grammatische Regelerklärung erworben wird, nimmt man an, daß der Erwerb einer Fremd- oder Zweitsprache durch Bewußtmachung und/oder Unterrichten von grammatischen Regeln gefördert wird. Die Bewußtmachung erfordert normalerweise vor allem auch die Vermittlung von linguistischen Fachbegriffen wie Kasus, Dativ, Subjekt usw. Dieses metasprachliche Wissen läßt sich wie mathematisches Wissen vermitteln, lernen und abprüfen. Es ist jedoch äußerst zweifelhaft, daß derartiges Wissen zur Sprachbeherrschung führt. So dokumentiert Zimmermann (1990, 92f.) Äußerungen von VHS-Kursleitern, die beklagen, daß die Lerner Grammatikstrukturen lernen und auch anwenden können, wenn es um spezielle Übungen geht, doch Probleme haben, wenn es um die Anwendung in Spontanphasen geht. Grammatisches Regelwissen führt somit nicht unbedingt zu Sprachkönnen. Stattdessen ist eher davon auszugehen, daß sich grammatisches Wissen aus der Verwendung sprachlicher Mittel im Diskurs entwickelt. Die sprachlichen Mittel haben dabei je nach ihrer Feldzugehörigkeit ein bestimmtes grammatisches Bindungspotential, das beim Spracherwerb aus den verwendeten Strukturen sozusagen herausdestilliert wird (Konnexionismus → Elsen, Wong Fillmore). Dieser Prozeß kann nur ablaufen, wenn ausreichend viele Mittel 'umgesetzt', d.h. verwendet werden. Deshalb ist es wichtig, daß die Sprache häufig verwendet wird. Nur dann hat der 'Regelfindungsmechanismus' ausreichend viele Exemplare, um daraus einzelne Mittel zu gruppieren und zu Mustern zu bündeln. |
explizit - implizit |
Explizit und implizit gehen zwar auf lateinische Ausdrück zurück, sind in der aktuellen Verwendung relativ neu. Explizites grammatisches Wissen ist (im Sinne Carnaps) ein analytisch gewonnenes präzises Wissen über grammatische Sachverhalte; implizites grammatisches Wissen ist dagegen ein vages, alltägliches Wissen, das in der muttersprachlichen Sprachbeherrschung eingeschlossen ist. Implizites grammatisches Wissen ist also eigentlich kein Wissen, sondern nur ein in der muttersprachlichen Sprachbeherrschung mitverstandenes Wissen. Wie der Eintrag in Meyers Großem Konversations-Lexikon zu Anfang des 20. Jhs. zeigt, wurde es in einer sehr speziellen Bedeutung verwendet, die nichts mit der aktuellen Bedeutung zu tun hat: "Explicit (lat., abgekürzt statt explicitum est volumen, »die Schriftrolle ist ganz abgewickelt«, d. h. das Buch ist zu Ende), Schlußformel in alten Handschriften und Drucken, wie Incipit (fängt an) Anfangsformel." (Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905-1909, Bd. 6, 221) Die aktuelle Verwendung geht eher auf die Bedeutung zurück, die der Webster für 'explicit' im amerikanischen Englisch gibt: "so clear in statement that there is no doubt about the meaning: fully stated (explicit instructions) … EXPLICIT implies such verbal plainness and distinctness that there is no room for doubt or difficulty in understanding" (Webster 1994, 353) Deutlich wird dies auch am Antnoym implizit: "implicit understood though not directly stated (an implicit agreement") (Webster 1994, 500) Die englische Bedeutung bezieht sich also auf den Status der Klarheit einer Aussage. Damit geht sie auch direkter auf die lateinische Basis zurück. Im Lateinischen bezeichnet explicare das Entfalten, Ausbreiten einer Sache und in diesem Sinne auch das Auseinandersetzen, Erklären einer Sache; implicare bezeichnet dagegen entgegengesetzte Prozesse des Einwickelns, Verbindens. Die Verwendung im Zusammenhang mit dem Status von grammatischem Wissen geht wohl eher auf Carnap zurück, der unter 'explizieren' die Präzisierung eines vagen Alltagsbegriffs versteht. |
deklarativ - prozedural |
Deklarativ und prozedural gehen in der aktuellen Verwendung auf die Programmierung und die Verfahren der Einführung und Verwendung von Variablen zurück. Im Lateinischen bezeichnet declarare vor allem eine öffentliche Erklärung, die eine Sache klarlegt. Auf diese Grundbedeutung geht auch to declare im amerikanischen Englisch zurück: "to make known formally or explicitly (declare war) … to make a full statement of (taxable or dutiable property) … DECLARE suggests a plainnessand formality of statement (the referee declared the contest a draw" (Webster 1994, 259) Auch im Deutschen ist diese Verwendung verbreitet: "Deklaration (lat.), Erklärung, z. B. die von gesetzlichen Bestimmungen durch nachfolgende Erlasse; in der Logik soviel wie Definition; im Rechtswesen die Angabe über einen Zustand oder eine Tatsache, insbes. die eine Haftverbindlichkeit bedingende Erklärung (so deklariert der Schuldner seine Insolvenz vor Gericht etc.). Besonders ist D. üblich im Steuerwesen (hier auch Fassion genannt) als Angabe über Tatsachen, die zur Bemessung der Steuerschuldigkeit dienen (Größe und Art des Einkommens, des Ertrags, des Vermögens)." (Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905-1909, Bd. 4, 598) In der Logik und Informatik dienen deklarativ und prozedural zur Bezeichnung verschiedener Arten der Definition: "Im Bereich der Künstlichen Intelligenz und der Computerlinguistik verwendeter Begriff zur Charakterisierung solcher Komponenten von Formalismen, sprachverarbeitenden Systemen und Programmen, die als stat. Fakten reihenfolgeunabhängig formuliert sind. Als d. gelten vor allem solche Sprachelemente von formalen Systemen, deren Semantik durch eine klass. Logik oder die Mengentheorie definiert werden kann. Formalismen, die von Mechanismen wie Prozeduren, extrinsischen Regelanordnungen oder anderweitigen Bezugnahmen auf temporal interpretierte Skalen oder Relationen Gebrauch machen, gelten als nicht d.: Sie sind prozedural. Ein Vorteil der d. Formulierung einer Komponente besteht darin, daß sie ggü. verschiedenen prozeduralen Interpretationen und Verwendungen neutral bleibt: So kann z.B. eine d. formulierte Grammatik grundsätzl. sowohl für Analyse- als auch Generierungsaufgaben verwendet werden. Innerhalb eines Anwendungsbereichs, z.B. Parsing, kann sie mit verschiedenen Suchstrategien und Verarbeitungsrichtungen kombiniert werden." (Glück 1993, 139) |
(1905-19096) Meyers Großes Konversations-Lexikon. |
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