Tertiaersprachen L3-Tertiärsprachen: Fehlersystematik (Dentler 1998)


Klassifikation

Auf der Basis der Forschungsliteratur zum Transfer von der L1 und L2 auf die L3 wird folgende Klassifkation vorgeschlagen:


  1. Genetische Verwandtschaft der involvierten Sprachen

    • L1 & L2 miteinander, aber nicht mit L3 verwandt: → geringe Einwirkung
    • L2 & L3 verwandt: → potentiell großer Einfluß
    • L1, L2 & L3 eng verwandt: → größter Einfluß
  2. L2- bzw. L3-Kompetenz

    • bei enger Verwandtschaft von L1, L2 & L3 und niedriger L3-Kompetenz: → L1 Einfluß größer als L2
    • gut beherrschte L2: → Zunahme auf Kosten von L1 bei häufiger L2-Verwendung
    • bei steigender Kompetenz: → abnehmender Einfluß der L2; im Normalfall L1-Einfluß am längsten andauernd
  3. Art der Sprachproduktion

    • spontane Sprachproduktion - häufig mündlich: → Zunahme der L1- & L2-Einwirkung
  4. Systematizität der lexikalischen Fehlertypologien

    • mit wenigen Ausnahmen folgende Grundtypen:
      • borrowing
      • false friends
      • semantic extension
      • loan translation
    • Ausgangspunkt: interlinguale Kontraste auf formaler bzw. inhaltlicher Ebene
  5. Inhärente Klassifikationsprobleme

    • theoretisch konsistente und empirisch angemessene Fehlerklassifikation schwierig, da viele Fehler plurikausal motiviert; Probleme:
      • Ineinandergreifen lingistisch-struktureller Unterscheidungskriterien der formalen und inhaltlichen Nicht-/Identität zwischen Ausgangssprache und L3;
      • Unterscheidung von intralingualer Übergeneralisierung und interlingualer Kontrastnivellierung;
      • Fehlleistungen als Performanzerscheinungen benötigen Berücksichtigung weiterer Faktoren (z.B. aktuelle Lexikonkompetenz, die von Situation und Kommunikationsintention beeinflußten (unbewußten) Sprachproduktionsprozesse).
    • Prognostizierbarkeit der Fehler

      • Frage nach der synchronen, bzw. diachronen Verteilung der Fehlerhaupttypen
      • Ringbom 1987 mit Lückentest für mittleres Englisch-Kompetenzniveau: loan translations zahlenmäßig sehr groß
        false friends - hochfrequent bei genetischer Verwandtschaft mit der Ausgangssprache - auch bei Verwandtschaft von L1 und L3
        semantic extensions Zwischenposition
        borrowings bei L1/L3-Verwandtschaft am infrequentesten
      • L1, L2 & L3 eng verwandt: → grö&zslig;ter Einfluß

Buch 

Dentler, Sigrid (1998) Zur Systematizität und Prognostizierbarkeit lexikalischer Interferenzen. In: Hufeisen, B. & Lindemann, B. (Hgg.) Tertiärsprachen. Theorien, Modelle, Methoden. Tübingen: Stauffenburg, 31-46
Ringbom, Håkon (1987) The Role of the First Language in Foreign Language Learning. Clevedon: Multilingual Matters
Weitere Literatur