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Dentler | Hufeisen | Lindemann | Mißler | Neuner | Vogel 1992 | Bsp.: 'Dim Sum' | Literatur |
[Transkription | Text | Hintergrund | Worterklärung 'sogar' | Umlaut | Verbflexion] |
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Die Klärung der deutschen Verbalflexion führt zu einem längeren grammatischen Exkurs, um Asi (L1 Englisch) die Bildung der 2. Person Plural zu verdeutlichen. Die Passage läßt sich in folgende drei größere Abschnitte gliedern:
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Problem und korrekte Form In dem längeren Transkriptausschnitt behandeln die beiden Schreiberinnen eine wichtige Regelmäßigkeit der deutschen Verbflexion, nälich das t für die zweite Person Plural. Die eigentliche Intervention ist dabei sehr kurz und spielt sich in der PF 26 ab. Das besonders Interessante ist der sich anschließende Diskurs über die Regel. Asi verfolgt die Texteingabe ihrer Partnerin Lin (L2 Englisch). Zunächst bestätigt sie auf der propositionalen Ebene das von Lin Geschriebene durch Wiederholung und die bestätigende Partikel ja. Doch nach einer längeren Pause zweifelt sie die Form des Verbs an (Schritt 0), indem sie es mit Frageintonation wiederholt und dann explizit die von ihr für richtig gehaltene Version schicken einbringt (Schritt 1).
Lin beharrt auf ihrer Version (Schritt 2), so daß die Sache eigentlich erledigt sein könnte. Doch dann schickt sich Lin an, ihrer Partnerin die Regel für die von ihr für richtig erachtete Form zu erklären. Dabei zeigt sich, welche Konjugationsregeln die beiden annehmen und nach welchen sprachlichen Merkmalen sie sich dabei richten. |
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Erklärung 1: Ihr = Plural → Schickt Lin formuliert kurz und &bündig, daß deutsch Ihr wie englisch you Plural ist und schickt bedingt. Nach längerer Pause formuliert Asi die von ihr bislang angenommene Regel für die Verwendung des Flexions -t. Sie orientiert sich offensichtlich am englischen 3rd Person Sg -s (PF 28).
Diese Einschränkung der Verwendung des -t veranlaßt Lin zu einer vehementen Zurückweisung von Asis Äußerung und zur Bekräftigung der zuvor formulierten Verwendung des -t auch mit ihr, was von Asi akzeptiert wird. Englisch spielt in dem Abschnitt auf zwei Ebenen eine Rolle: zunächst wird es von Lin zur Verdeutlichung der Bedeutung von Ihr ins Spiel gebracht; dann zeigt sich, daß sich Asi bei der Verwendung des Flexivs -t offensichtlich an ihrer L1 Englisch orientiert, das sie mit dem 3. Person Singular -s gleichsetzt. |
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Erklärung 2: Kontrastierung mit dem Englischen Im folgenden verdeutlicht Lin die deutschen Konjugationsregeln im Kontrast zum Englischen:
Nach diesem langen Exkurs drückt Asi mit Okay in PF 34 ihre Zustimmung aus. Danach kehrt Lin zum Text zurück, wiederholt die schon geschriebene Passage und fährt mit der Texteingabe fort. |
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Im Ausschnitt verwendet Lin systematisch das Englische, um die anderen Verhältnisse im Deutschen zu verdeutlichen. Grundlage sind wohl eigene Lernerfahrungen der Lernerin. Aus den Äußerungen ihrer Partnerin läßt sich für die Verwendung des Flexivs -t eine Parallele zu Asis L1 Englisch erkennen. An diesem Punkt setzt die Erklärung von Lin an. Sie legt zunächst die Grundlagen, indem sie unter Rekurs auf eine Gesprächskonstellation den Unterschied von einem und mehreren Angesprochenen expliziert. Bemerkenswert ist weiterhin die Verwendung von Regelformulierungen im Sinne der Signalgrammatik (→ Zimmermann 1977): Der Ausschnitt zeigt die Effizienz der Erklärung durch die Lernerin. Ihre Erklärung setzt am Formulierungsproblem in dem Moment an, in dem es manifest wird. Die Erklärung kann die falschen Annahmen einbeziehen und dadurch den Kern der falschen Regelbildung bearbeiten. Dabei verwendet die Deutsch als L3 lernende Lin bei der Regelerklärung von ihren L2 Englischkenntnissen Gebrauch, das sie mit dem Deutschen kontrastiert. Die Regel selbst wird analog zu Zimmermanns Signalgrammatik formuliert, offensichtlich eine Form, die lerneradäquat ist. |
Grießhaber, Wilhelm (2002) Neue Medien im DaF-Unterricht. In: Schreiber, R. (Hg.) Deutsch als Fremdsprache am Studienkolleg. Unterrichtspraxis, Tests, Evaluation. Materialien DaF 63 Regensburg: aks-Verlag, 308-326 |
© W. Grießhaber 2003-2006 |