Sprachenteiliges Diversifikationsmodell: Homburger Empfehlungen


Voraussetzungen

  • In Deutschland, im Herzen Europas, werden viele Sprachen verstanden und gesprochen.
  • Sprachen eröffnen die Kenntnis anderer Länder und Völker und wecken Verständnis für ihr Anderssein. Sie ermöglichen und fördern die sozialen und politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen nach außen.
  • Breitgestreute Sprachkenntnisse sind eine Voraussetzung für erfolgreiche Bemühungen um ein friedliches Zusammenleben der Völker.

Das deutsche Bildungswesen kommt dem Ziel, auf ein Leben in einer sprachenteiligen Gesellschaft vorzubereiten, nur unzureichend nach. Insbesondere im deutschen Schulwesen sind die Proportionen durch eine Fixierung auf das Englische und eine formal-administrative Begünstigung des Lateinischen verzerrt.

 

(0) Begegnungssprache - Vorschule / Primarschule

Sprachen:

Herkunftssprachen - europäische Nachbarsprachen

Ziele:

spielerische Vermittlung in möglichst vielen bilingualen & bikulturellen Schulen oder Klassen, in denen ausländische Kinder die deutsche Sprache und deutsche Kinder zusammen mit ihnen in elementaren Formen den Umgang mit der fremden Sprache üben; keine Benotung
Stichwort: Begegnung

 

(1) Fundamentalsprache - Sek I - obligatorisch für alle

Sprachen:

Englisch - Romanische Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch) - Weiterführung einer anderen Begegnungssprache

Merkmal:

Grundlage für alle weiteren Sprachlernprozesse;
in allen Schulformen der Sek. I

Ziele:

Einführung in eine andere europäische Kultur
entscheidender Beitrag zur Entwicklung des Sprachbewußtseins,

 

(2) Internationale Verkehrssprache - Sek I / Angebot

Sprachen:

besonders die Weltsprachen Englisch - Spanisch - Russisch

Merkmale:

besonders unter dem Aspekt der internationalen Verkehrssprache;
für Gymnasien, Realschulen & Gesamtschulen

Ziele:

enthält fachsprachliche Bestandteile;
Einführung in die allgemeine Argumentationssprache der Wissenschaften

 

(3) Erschließungssprache - Sek II

Sprachen:

Latein - Altgriechisch - Arabisch - Chinesisch - Japanisch - europ. Nachbarsprachen

Ziele:

Aufschließung einer zeitlich oder räumlich fernen Kultur

 

Latein

 

Latein sollte, außer als Erschließungssprache, nur in altsprachlichen Gymnasien als Fundamentalsprache gelehrt werden

Ziele:

Sichtbar machen der lateinischen Fundamente der gegenwärtigen europäischen Kultur in der Antike, im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit


Buch 

(1980) Homburger Empfehlungen für eine sprachenteilige Gesellschaft in Deutschland und Europa, Januar 1980. In: Neusprachlie Mitteilungen 33/80, 97-99 (wiederabgedruckt in: Rutke, D. (Hg.) (2002) Europäische Mehrsprachigkeit: Analysen - Konzepte - Dokumente. Aachen: Shaker, 97-100)
Finkenstaedt, Thomas & Schröder, Konrad (1992) Sprachen im Europa von morgen. Berlin u.a.: Langenscheidt
Weitere Literatur