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Illokutives Paradox |
Gegenüber alltäglichem Handeln ist der institutionalisierte Unterrichtsdiskurs im Fremdsprachenunterricht in mehrfacher Hinsicht verändert (s. Ehlich 1981 zur Systematik allgemeiner Veränderungen). Bei der Frage in (B2) wissen die fragende Lehrerin und der antwortende Schüler schon vorher, wohin Mrs. Pim geht. Im alltäglichen Handeln kennt der Fragende dagegen den propositionalen Gehalt in der Regel nicht. Die Frage dient also in der Regel der Elizitierung fremdsprachlicher Äußerungen. Dazu greift die Lehrperson auf bereits bekanntes Wissen zurück, zu dessen Verbalisierung die passenden fremdsprachlichen Mittel zur Verfügnung gestellt und geübt werden. Diese Verschiebung der Äußerungsillokution bezeichnet Rehbein (1978, 13) als "illokutives Paradox". |
… den Preis erfahren wollen |
Wenn ein Kunde im alltäglichen Handeln auf dem Markt fragt, wieviel ein Kilo Granny Smith kostet, kennt er den Preis noch nicht. Mit dem Handlungsmuster der Frage möchte er seine Wissenslücke schließen. Proposition und Illokution seiner Frage stehen in einem bestimmten zweckbestimmten Verhältnis beim Wissenserwerb. In der Antwort wird ihm das erfragte Wissen als für ihn neues Wissen vermittelt. |
… den bekannten Preis in der Fremdsprache sagen können |
Im Fremdsprachenunterricht geht es dagegen um Vermittlung und Erwerb bestimmter fremdsprachlicher Mittel, für die in der Erstsprache schon Äquivalente verfügbar sind. Die Frage dient nun dazu, einen in der Regel bekannten Sachverhalt mit den neuen fremdsprachlichen Mitteln zu verbalisieren. Die eigenliche Illokution im Fremdsprachenunterricht ist darauf gerichtet, daß der Lernende in der Antwort zeigt, daß er die fremdsprachlichen Mittel korrekt verwenden kann. Die Äußerungsseite selbst steht im Zentrum des Handelns. |
Antworten im ganzen Satz |
Besonders charakteristisch für den FSU ist das Insistieren der Lehrperson auf einer Äußerung im ganzen Satz. Wenn ein Lerner eine Äußerung schließlich in mehreren Häppchen verbalisiert hat, wird er sehr oft aufgefordert, die einzelnen Teile nun noch einmal in einem ganzen Satz zu verbalisieren. Dabei zeigt sich dann häufig, daß dies nicht geht, da der Sprecher die ersten Teile seiner Äußerung nicht mehr kennt. Gerade in dieser Wiederholung bereits verbalisierten Wissens zeigt sich das illokutive Paradox des FSU besonders deutlich. Kommunikation ist dabei irrelevant. |
Korrektur |
Nicht selten zwingt die Lehrperson den Lerner zur imitierenden Wiederholung einer Äußerung unbhängig von dessen Sprecherplan. Äußerlich gleicht dieser Interventionstyp hinsichtlich der Abfolge der Schritte dem Reparieren, funktional wird jedoch nur die Äußerungsseite behandelt. Ein Erwerb fremdsprachlicher Mittel findet nicht statt. |
Ehlich, Konrad (1981) Schulischer Diskurs als Dialog? In: Schröder & Steger (Hgg.) Dialogforschung. Düsseldorf: Schwann, 334-369 |
© W. Grießhaber 2002-2005 |