W. Grießhaber Examenshinweise zum Thema:
ZSE Zweitspracherwerb
 

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Allgemeine Hinweise zum Themenschwerpunkt

Das Thema kann sinnvoll eigentlich nur im Bereich A (Sprachwissenschaft) gewählt werden. Es geht um einen allgemeinen Überblick über die den Erwerb einer Zweitsprache bestimmenden Einflussgrößen. Meist wird es um die drei 'großen' älteren und einige neuere Theorien zur Erklärung des Zweitspracherwerbs gehen.

Die drei großen Hypothesen sind (Kurzüberblick in Grießhaber 2002 PDF-Datei PDF; WWW Web):
die Kontrastiv-Hypothese (Lado),
die Identitätshypothese (Dulay und Burt) und
die Interlanguagehypothese (Selinker).

Eigenständige Weiterentwicklungen, die sich jedoch gegenseitig widersprechen, sind
die Processability Hypothese (Pienemann WWW Web; Kurzdarstellung Grießhaber 2002 PDF-Datei PDF; WWW Web) und
die Strukturzerlegung (Wong-Fillmore WWW Web).

Den Versuch einer Integration der widersprüchlichen Forschungsergebnisse unternimmt Grießhaber 2002-2004 mit der These von der 'kompensatorischen Ressourcennutzung'; → WWW Web

Im Hinblick auf die Schulsituation ist folgender Ansatz von zentraler Bedeutung:
die Interdependenz- und Schwellenniveauhypothese (Cummins WWW Web).

Weiterhin enthält die Liste Arbeiten zum Einfluss der Lernerpersönlichkeit (Zimmermann) und des Alters auf den L2-Erwerb (z.B. Patkowski, Kim u.a.; s. auch Grießhaber 2002 WWW Web). Zusätzlich sind Arbeiten zur deutschen Forschungsszene aufgenommen, damit auch diese Arbeiten im Blick sind (z.B. zum sog. Gastarbeiterdeutsch) Clahsen u.a., HPD, Stölting). Schließlich wurden einige Einführungen und Überblicksartikel zum Zweitspracherwerb (z.B. Bausch & Kasper, Dittmar) aufgenommen. Hier möchte ich jedoch darauf hinweisen, daß die deutschen Einführungen meiner Meinung nach mit Vorsicht zu lesen sind, während amerikanische (z.B. Lightbown & Spada) unbedenklicher zur Lektüre empfohlen werden können. Als Einstieg (!) ist auch Zimmers (1997) populärwissenschaftlicher Überblick lesenswert.

Didaktik (Bereich C) könnte nur unter dem Aspekt in Frage kommen, inwiefern der Erwerbsprozess von aussen, z.B. durch Unterricht zu steuern ist und welche Möglichkeiten dafür zur Verfügung stehen, dieser Aspekt steht beim Themenschwerpunkt Deutsch als Zweitsprache im Zentrum.

Bedenken Sie bei der Wahl dieses Themenschwerpunkts, dass der weitaus größte Teil der Forschung zur englischen Sprache erfolgt und in englischer Sprache vorliegt. Man sollte sich deshalb darauf einstellen, ausgiebig englischsprachige Quellen zu lesen. Es genügt nicht, sich auf die deutschsprachige Literatur zu verlassen! - Infos zur Universalgrammatik → hier.

Erschrecken Sie nicht über die vielen Titel! Die besonders empfohlenen sind fett markiert. Die übrigen dienen als Anregung für Ihre vertiefende Beschäftigung mit bestimmten Aspekten des komplexen Themas.

In der "Einführung in die praktische Sprachanalyse" finden Sie auch Informationen zu ausgewählten Aspekten des → WWW Zweitspracherwerbs
Informationen zu Diagnoseinstrumenten & Förderkonzepten → WWW hier.


Literaturhinweise

Ahrenholz, Bernt (Hg.) (2006) Kinder mit Migrationshintergrund. Spracherwerb und Fördermöglichkeiten. Freiburg i.B.: Fillibach
Aktueller Überblick über Forschungsprojekte zum Zweitspracherwerb im Vorschul- und Schulalter

Ahrenholz, Bernt (Hg.) (2007) Deutsch als Zweitsprache - Voraussetzungen und Konzepte für die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Freiburg i.B.: Fillibach
Weiterführung des nach wie vor aktuellen Bandes aus dem Vorjahr über Forschungsprojekte zum Zweitspracherwerb im Vorschul- und Schulalter

Ahrenholz, Bernt (Hg.) (2008) Zweitspracherwerb. Diagnosen, Verläufe, Voraussetzungen. Beiträge aus dem 2. Workshop Kinder mit Migrationshintergrund. Freiburg i.B.: Fillibach

Ahrenholz, Bernt & Oomen-Welke, Ingelore (Hgg.) Deutsch als Zweitsprache. Deutschunterricht in Theorie und Praxis (DTP), Band 9. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren
Thematisch breit angelegtes Handbuch zu Deutsch als Zweitsprache mit instruktiven Beiträgen - ein Muss!

Apeltauer, Ernst (1998) Verben als Sprachstandsindikatoren im Schuleingangsbereich. In: Apeltauer, E. & Glumpler, E. & Luchtenberg, S. (Hgg.) Erziehung für Babylon. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 38-67

Baur, Rupprecht S. & Meder, Gregor (1990) Der Zusammenhang von Muttersprache und Zweitsprache von Migrantenkindern in der Bundesrepublik Deutschland. In: Leerders-Kenmerken. Individuele verschillen in het leren van talen 2/90, 68-82
Empirische Untersuchung zur Interdependenzhypothese von Cummins (s.u.)

Bausch, Karl-Richard & Kasper, Gabriele (1979) Der Zweitsprachenerwerb: Möglichkeiten und Grenzen der 'großen' Hypothesen. In: Linguistische Berichte 64/79, 3-35
Leicht lesbare Darstellung der 'großen' drei Hypothesen des Zweitspracherwerbs; zu große Darstellung der verschiedenen Strategien; enthält einige Macken, deshalb mit Vorsicht zu lesen.

Bloomfield, Leonard (1933) Language. London: Allen & Unwin, 22-29
Kompakte Darstellung der behavioristischen Sprachtheorie am Beispiel von Jack und Jill.

Butzkamm, Wolfgang (1978) Fremdsprachenunterricht und natürliche Zweisprachigkeit: Spracherwerbssituationen im Vergleich. In: Zielsprache Deutsch 4/1978, 11-20

Clahsen, Harald & Meisel, Jürgen M. & Pienemann, Manfred (1983) Deutsch als Zweitsprache: Der Spracherwerb ausländischer Arbeiter. Tübingen: Narr
Gut fundierte empirische Längsschnittstudie zum Erwerb des Deutschen als Zweitsprache durch italienische und spanische Erwachsene; strikt grammatikbasiert (generativ) und psycho-linguistisch argumentierend.

Clyne, Michael (1985) Medium or object-different contexts of (schoolbased) second language acquisition. In: Hyltenstam, K. & Pienemann, M. (eds.) Modelling and Assessing Second Language Acquisition. Clevedon: Multilingual Matters, 197-214
Vergleich zweier Immersionsprogramme für Deutsch in Australien, eins mehr kommunikativ orientiert, das andere mehr formbezogen

Corder, S. Pit (1967) The significance of learners' errors. In: Richards, J. C. (Ed.) (1974) Error Analysis. Perspectives on Second Language Acquisition. London: Longman, 19-30
Einflußreiche Arbeit, die den Blick auf Fehler beim Zweitspracherwerb veränderte.

Cummins, James (1980) The construct of language proficiency in bilingual education. In: Alatis, J. E. (ed.) Current Issues in Bilingual Education. Washington: Georgetown University Press, 81-103
Grundlegende Arbeit zur Erklärung des unterschiedlichen Erfolgs von Arbeitsmigrantenkindern und Mittelschichtkindern unter scheinbar gleichen Bedingungen.

Cummins, James (1982) Die Schwellenniveau- und Interdepenz-Hypothese: Erklärungen zum Erfolg zweisprachiger Erziehung. In: Swift, J. (Hg.) Bilinguale und multikulturelle Erziehung. Würzburg: Königshausen + Neumann, 34-43
Eingeschränkte Darstellung von Cummins komplexer Theorie.

Cummins, Jim (1984) Zweisprachigkeit und Schulerfolg. Zum Zusammenwirken von linguistischen, soziokulturellen und schulischen Faktoren auf das zweisprachige Kind. In: Die Deutsche Schule 76/84, 187-198
Eingeschränkte Darstellung von Cummins komplexer Theorie.; (Kurzdarstellung WWW Web)

Diehl, Erika (1998) Vom Deutschunterricht zum Deutscherwerb? Das Genfer DiGS-Projekt. In: Deutsch als Fremdsprache 35/98, 162-168
Kurzdarstellung des Projekts und seiner Ergebnisse Internet Web

Diehl, Erika u.a. (2000) Grammatikunterricht: Alles für der Katz? Untersuchungen zum Zweitsprachenerwerb Deutsch. Tübingen: Niemeyer
Breit angelegte empirische Studie zum Deutscherwerb in den Schulen der französischsprachigen Schweiz; dem Ansatz von Pienemann (s.u.) nahestehend. WWW Web

Dimroth, Christine (2008) Kleine Unterschiede in den Lernvoraussetzungen beim ungesteuerten Zweitspracherwerb: Welche Bereiche der Zielsprache Deutsch sind besonders betroffen? In: Ahrenholz, Bernt (Hg.) (2008) Zweitspracherwerb. Diagnosen, Verläufe, Voraussetzungen. Beiträge aus dem 2. Workshop Kinder mit Migrationshintergrund. Freiburg i.B.: Fillibach, 117-134

Dietrich, Rainer (1995) L2-Zeit. In: Handwerker, B. (Hg.) Fremde Sprache Deutsch. Tübingen: Narr, 25-63
Kurzresümee eines breit angelegten europaweiten Projekts zum Zweitspracherwerb (ESF-Projekt); Vergleich über verschiedene Sprachpaare. WWW Web

Dittmar, Norbert (1995) Was lernt der Lerner und warum? WaS ‘DAF’-Lehrer schon immer über Zweitspracherwerb wissen wollten. In: Dittmar, N. & Rost-Roth, M. (Hgg.) Deutsch als Zweit- und Fremdsprache. Frankfurt/M. u.a.: Lang, 107-139
Kompakte Formulierung der Grundlagen der ZSE-Forschung, von Thesen zum ZSE, Vorschlägen zur Beschreibung von Lernervarietäten und Beispielen aus einer Längsschnittstudie zum Deutscherwerb polnischer Lerner.

Doughty, Jessica & Long, Michael H. (eds.) (2003) The Handbook of Second Language Acquistion. Oxford: Blackwell

Dulay, Heidi C. & Burt, Marina K. (1974) You can't learn without goofing. In: Richards, J. C. (ed.) Error Analysis. Perspectives on Second Language Acquisition. London: Longman, 95-123
Darstellung der klassischen 'Identitätshypothese'.

Dulay, Heidi C. & Burt, Marina K. (1983) Goofing: an indicator of children's second language learning strategies. In: Gass, S. M & Selinker, L. (eds.) Language Transfer in Language Learning. Rowley: Newbury House, 54-68
Darstellung der klassischen 'Identitätshypothese'.

Dulay, Heidi C. & Burt, Marina K. & Krashen, Stephen D. (1982) Language Two. New York: Oxford University Press
Typisch amerikanisches Arbeitsbuch zum Zweitspracherwerb.

Edmondson, Willis J. & House, Juliane (20063) Einführung in die Sprachlehrforschung. Tübingen u. Basel: Francke
Befaßt sich auch - eher kurz - mit dem Zweitspracherwerb.

Ellis, Rod (1997) Second Language Acquisition. Oxford: Oxford University Press
Umfangreicher Klassiker zum Zweitspracherwerb.

Extra, G. & Vallen, T. (1990) Zweitspracherwerb an der Grundschule. Eine länderübergreifende Betrachtung der Niederlande, Flanderns und der Bundesrepublik Deutschland. In: Deutsch lernen 3/90, 254-284

Garlin, Edgardis (2008) Bilingualer Erstspracherwerb. Sprachlich handeln - Sprachprobieren - Sprachreflexion. Eine Langzeitstudie eines deutsch-spanisch aufwachsenden Geschwisterpaares. Münster u.a.: Waxmann

Grießhaber, Wilhelm (1990) Transfer, diskursanalytisch betrachtet. In: Linguistische Berichte 129/90, 386-414
Transfer nicht einfach als grammatisches Phänomen, sondern als Erscheinung tieferliegender Sprachverarbeitungsprozesse.

Grießhaber, Wilhelm (1995) Probleme, Aspekte, Chancen und Möglichkeiten interkultureller Kommunikation. In: Eberding, A. (Hg.) Sprache und Migration. Frankfurt/M.: IO - Verlag für Interkulturelle Kommunikation, 8-31
Kompakter Beitrag zur Situation nichtdeutscher Schüler in der Schule.

Grießhaber, Wilhelm (2002) Erwerb und Vermittlung des Deutschen als Zweitsprache. In: "Deutsch in Armenien". Teil 1: 2001/1, 17-24; Teil 2: 2001/2, 5-15 (PDF-Datei PDF und als WWW Web)
Kompakte Darstellung einiger Grundfragen des Zweitspracherwerbs - besonders der Frage des Alters und der Erwerbsstufen - und der Konsequenzen für die Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache; mit praktischen Übungen an Lernertexten

Grießhaber, Wilhelm (2002-2004) Kompensatorische Ressourcennutzung. WWW
Auf der Basis neurolinguistischer Forschungen wird eine einheitliche Erklärung für die große Bandbreite individueller Variationen einerseits und unveränderlicher Erwerbsstufen andererseits vorgestellt.

Grießhaber, Wilhelm (2005) Sprachstandsdiagnose im Zweitspracherwerb: Funktional-pragmatische Fundierung der Profilanalyse. (erscheint in: Arbeiten zur Mehrsprachigkeit)
Untersuchung zum Verhältnis von Phrasenstrukturen, die die Basis der Profilanalyse bilden, und sprachlichen Mitteln, die Lernende auf einer bestimmten Stufe zur Verfügung haben; daraus ergeben sich Einblicke in den Prozeß des Zweitspracherwerbs und Hinweise zur gezielten Sprachförderung (→ PDF-Datei PDF-Datei; → Internet Webseite)

Grießhaber, Wilhelm (2005) Zu Missverständnissen durch Nutzung latenter L1 Ressourcen - Hintergrundinformationen. (WWU Sprachenzentrum, → Internet Webseite)
Grundlagen eines Forschungsprojekts zu Missverständnissen in Texten jugendlicher AussiedlerInnen der neunten Jahrgangsklasse

Grießhaber, Wilhelm (2006) Die Entwicklung der Grammatik in Texten vom 1. bis zum 4. Schuljahr. In: Ahrenholz, Bernt (Hg.) Kinder mit Migrationshintergrund - Spracherwerb und Fördermöglichkeiten. Freiburg i.B.: Fillibach, 150-167

Grießhaber, Wilhelm (2007) Grammatik und Sprachstandsermittlung im Zweitspracherwerb. In: Köpcke, Klaus-Michael & Ziegler, Arne (Hgg.): Grammatik in der Universität und für die Schule. Theorie, Empirie und Modellbildung. Tübingen: Niemeyer, 185-198

Grießhaber, Wilhelm (2007) Zweitspracherwerbsprozesse als Grundlage der Zweitsprachförderung. In: Ahrenholz, Bernt (Hg.) Deutsch als Zweitsprache - Voraussetzungen und Konzepte für die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Freiburg i.B.: Fillibach, 31-48

Grießhaber, Wilhelm (2008) Zu den Bedingungen der Förderung in Deutsch als Zweitsprache. In: Ahrenholz, Bernd (Hg.) (2008) Zweitspracherwerb. Diagnosen, Verläufe, Voraussetzungen. Beiträge aus dem 2. Workshop Kinder mit Migrationshintergrund. Freiburg i.B.: Fillibach, 211-227

Grießhaber, Wilhelm (2009) Spracherwerbsprozesse in Erst- und Zweitsprache. Script zur Vorlesung im Sommersemester 2009. Teil 2: Zweitspracherwerb. Münster: WWU Sprachenzentrum

Grießhaber, Wilhelm & Özel, Bilge & Rehbein, Jochen (1996) Aspekte von Arbeits- und Denksprache türkischer Schüler. In: Ulonska, H. & Kraschinski, S. & Bartmann, T. (Hgg.) Lernforschung in der Grundschule. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 160-179
Empirische Studie zur Verwendung von Deutsch und Türkisch und den Funktionen der Sprachen bei der Gruppenarbeit im deutschsprachigen Fachunterricht. s. auch den entsprechenden Abschnitt in der "Einführung in die praktische Sprachanalyse WWW Web

Hatch, Evelyn M. (1978) Discourse Analysis and Second Language Acquisition. In: Hatch, E. M. (ed.) Second Language Acqusition. A Book of Readings. Rowley, MA: Newbury, 401-435
Blick auf pragmatische Aspekte des frühen Zweitspracherwerbs.

HPD Heidelberger Forschungsprojekt 'Pidgin-Deutsch spanischer und italienischer Arbeiter in der Bundesrepublik' (1977) Die ungesteuerte Erlernung des Deutschen durch spanische und italienische Arbeiter. Eine soziolinguistische Untersuchung. OBST Beihefte 2
Ergebnisse des zweiten großen Forschungsprojekts zum sog. Gastarbeiterdeutsch; interessant ist der Vergleich mit deutschen Muttersprachlern; Querschnittstudie.

Hölscher, Petra & Piepho, Hans-Eberhard & Roche, Jörg (2006) Handlungsorientierter Unterricht mit Lernszenarien. Kernfragen zum Spracherwerb. Oberursel: Finken

Hessisches Kultusministerium (2008) Deutsch & PC. Früher und intensiver Erwerb der deutschen Sprache für Zuwandererkinder in der Grundschule. Eine Handreichung für Grundschulen. Wiesbaden
weitere Informationen im Internet: → WWW Web

Hyltenstam, Kenneth & Abrahamsson, Niclas (2003) Maturational Constraints in SLA. In: Doughty, Jessica & Long, Michael H. (eds.) (2003) The Handbook of Second Language Acquisition. Oxford: Blackwell, 539-588
guter Überblick über den Altersfaktor im L2-Erwerb mit einem interessanten Vorschlag zur Integration der widersprüchlichen Forschungsergebnisse

James, Carl (1972) Zur Rechtfertigung der kontrastiven Linguistik. In: Nickel, G. (Hg.) Reader zur kontrastiven Linguistik. Frankfurt/M., 21-38
Antwort eines Vertreters der Kontrastivhypothese auf die Kritik der These.

Jeuk, Stefan (2003) Erste Schritte in der Zweitsprache Deutsch. Eine empirische Untersuchung zum Zweitspracherwerb türkischer Migrantenkinder in Kindertageseinrichtungen. Freiburg i.B.: Fillibach

Jeuk, Stefan (2006) Sprachstandsmessung bei Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache zum Zeitpunkt der Einschulung. In: Didaktik Detusch 20/06, 52-69

Johnson, Jacqueline S. & Newport, Elissa L. (1989) Critical period effects in second language learning: The influence of maturational state on the acquisition of English as a Second Language. In: Cognitive Psychology 21,1/89, 60-99
Empirische Studie zum Einfluß des Alters auf den Zweitspracherwerb; kommt zu anderen Ergebnissen als Snow & Hoefnagel-Hoehle (s.u.).

Keim, Inken (1978) Zum Problem der Gastarbeitersprache. Am Beispiel türkischer Gastarbeiter im Raum Mannheim. In: Deutsche Sprache 4/1978, 289-305
Kurzdarstellung der Querschnittstudie zu den Deutschkenntnissen erwachsener Türken im Rahmen der Dependenz-Verb-Grammatik (die in DaF weit verbreitet ist).

Kim, Karl H. S. & Relkin, Norman R. & Lee, Kyoung-Min & Hirsch, Joy (1997) Distinct cortical areas associated with native and second languages. In: Nature 388/10. July 97, 171-174
Empirische Untersuchung der Gehirnaktivitäten bei Zweitsprachlernern in Abhängigkeit vom Erstbeginn des Lernens (Alter); bestätigt altersabhängige Einflüsse. (s. Kurzdarstellung in Grießhaber 2002 WWW Web)

Klein, Wolfgang (1984) Zweitsprachenerwerb. Eine Einführung. Königstein/Ts. : Athenäum
Leicht lesbare Einführung; allerdings zeigt der Autor u.a. auch versierten Fachkollegen, dass er alte Sachverhalte neu und überraschend darstellen kann; dadurch voller Fallstricke für den nicht so bewanderten Leser; mit Vorsicht lesen und jeweils die Originale zum Vergleich heranziehen.

Knapp, Werner (1999) Verdeckte Sprachschwierigkeiten. In: Die Grundschule 5/99, 30-33
Sehr empfehlenswerter Aufsatz über die in der Grundschule versäumten Gelegenheiten zur Förderung der Schriftsprache.

Konsortium Bildungsberichterstattung (Hg.) (2006) Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration. - Zusammenstellung wesentlicher Ergebnisse des Berichts als Information für die Presse. URL (Abruf: 10.06.06) → http://www.bildungsbericht.de/daten/pressemitteilung.pdf

Krashen, Stephen D. & Terrell, T. (1983) The Natural Approach. Language Acquisition in the Classroom. Oxford: Pergamon, besonders S. 26-47, 55-61
Darstellung der vor allem bei Lehrkräften auf Interesse stossenden Theorie, die jedoch von etlichen Forschern kritisiert wird.

Kummer-Hudabiunigg, Ingrid (1986) Geglückte Zweisprachigkeit im Erwachsenenalter. In: Arbeiten zur Mehrsprachigkeit 17/1986. Universität Hamburg: Germanisches Seminar/ Deutsch als Fremdsprache, Arbeitsstelle Mehrsprachigkeit
Interviews mit erfolgreichen Deutsch-als-Zweitsprache-Lernern über ihre Erfahrungen.

Lado, Robert (19692) Moderner Sprachunterricht. Eine Einführung auf wissenschaftlicher Grundlage. München: Hueber, S. 55-73
Der Klassiker der Kontrastiv-Hypothese, der jedoch keine Zweitspracherwerbstheorie im engeren Sinne aufgestellt hat, sondern Prinzipien des Lernens.

Lado, Robert (1983) Excerpts from 'Linguistics across Cultures'. In: Gass, S. M. & Selinker, L. (eds.) Language transfer in language learning. Rowley,MA: Newbury, 21-32

Larsen-Freeman, D. & Long, Michael H. (19914) An Introduction to Second Language Acquisition. Research. London u. New York: Longman
Typisch amerikanisches Arbeitsbuch zum Zweitspracherwerb

Leist-Villis, Anja (2004) Zweisprachigkeit im Kontext sozialer Netzwerke. Unterstützende Rahmenbedingungen zweisprachiger Entwicklung und Erziehung am Beispield griechisch-deutsch. Münster u. New York: Waxmann

Lightbown, Patsy M. & Spada, Nina (20063) How Languages Are Learned. Revised Edition. Oxford: Oxford University Press, 106-113
Aktuelle, gut geschriebene Einführung in die Zweitspracherwerbsforschung unter sprachdidaktischen Gesichtspunkten; lesenswert!

Meese, Herrad u.a. (1980) Muttersprachlich bedingte Fehlerquellen ausländischer Arbeiterkinder: Ein Vergleich ausgewählter Kapitel der deutschen Sprache mit den jeweiligen Entsprechungen im Griechischen, Italienischen und Serbokroatischen. In: Deutsch lernen 2-3/1980
Kontrastive Darstellung einiger Grammatikbereiche im Rahmen eines kontrastiven Herangehens; gute Orientierung über verschiedene Erstsprachen.

Merten, Stephan (1997) Wie man Sprache(n) lernt. Eine Einführung in die Grundlagen der Erst- und Zweitspracherwerbsforschung mit Beispielen für das Unterrichtsfach Deutsch. Frankfurt/M. u.a.: Lang
Neuere deutsche Einführung, die jedoch etliche wichtige Werke nur unzureichend berücksichtigt und angesichts ihres Aufbaus leicht missverständlich rezipiert wird.

Mrazovic, Pavica & Stölting-Richert, Wilfried (1989) Die Wortschatzbeherrschung zweisprachiger jugoslawischer Schüler in Niedersachsen. In: Deutsch lernen 4/1989, 28-56
Empirische Untersuchung des Wortschatzes in Serbokroatisch und Deutsch.

Müller, Annette (1997) Das Lernen zweier Sprachen im Kindheitsalter. Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Erst- und frühem Zweitspracherwerb. In: Deutsch lernen 2/97, 109-116

Nickel, Gerhard (Hg.) (1972) Reader zur kontrastiven Linguistik. Frankfurt/M.: Athenäum Fischer
Klassischer Reader zur kontrastiven Hypothese.

Noack, Barbara (1987) Erwerb einer Zweitsprache: Je früher, desto besser? Über die Chancen sprachlicher Integration von türkischen Gastarbeiterkindern. In: Deutsch lernen 3/87, 3-33
Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur (insbesondere Cummins) zur Frage des Alters im ZSE.

Patkowski, Mark S. (1980) The sensitive period for the acquisition of syntax in a second language. In: Language Learning 30/80, 449-472
Empirische Studie zum Einfluß des Alters auf den Zweitspracherwerb. (s. Kurzdarstellung in Grießhaber 2002 WWW Web)

Peltzer-Karpf, Annemarie & Zangl, Renate (1998) Die Dynamik des frühen Fremdsprachenerwerbs. Tübingen: Narr
Längsschnittstudie zur primaren Englischvermittlung in zwei bilingualen Wiener Schulen (Vienna Bilingual Schooling VBS), eine Mischform aus Immersion und Unterricht; unter dem Aspekt der Dokumentation empfehlenswert!

Pfaff, Carol W. (1984) On input and residual L1 transfer effects in Turkish and Greek children's German. In: Andersen, R. (ed.) Second Languages. Rowley, MA: Newbury House, 271-298
Aus dem Vergleich des Deutscherwerbs von Lernern mit den typologisch sehr verschiedenen Sprachen Griechisch und Türkisch werden Aussagen zum L2-Erwerb gezogen.

Pienemann, Manfred (1978) Deutsch als Fremdsprache für ausländische Arbeiterkinder. In: Studium Linguistik 6/78, 23-37
Frühe, kurze Darstellung des Stufenmodells des L2-Erwerbs und der unterschiedlich normgerechten Ausprägung in Abhängigkeit von sozialen Bedingungen; wichtig bei der Beurteilung von Fördermaßnahmen.

Pienemann, Manfred (1986) Is language teachable? Psycholinguistic experiments and hypotheses. In: Australian Working Papers in Language Development 1.3/86 (auch: Hamburg: Arbeiten zur Mehrsprachigkeit 21/87), 52-79
Provokative These, dass der Unterricht nur jeweils die nächstliegende Stufe vermitteln kann; durch empirische Forschung gestützt

Pienemann, Manfred (1998) Language Processing and Second Language Development: Processability Theory. Amsterdam: Benjamins
Ausarbeitung und theoretische Verallgemeinerung der These.
(WWW Web; Kurzdarstellung in PDF-Datei PDF ; WWW Grießhaber 2002)

Pienemann, Manfred (2003) Language Prcossessing Capacity. In: Doughty, Jessica & Long, Michael H. (eds.) (2003) The Handbook of Second Language Acquistion. Oxford: Blackwell, 679-714

Popp, Ulrike (1999) Sprachen und Identitäten balancieren. Auf dem Weg in die multikulturelle Gesellschaft. In: Schüler 1999 Leistung., 26-29

Ravem, R. (1974) The development of wh-questions in first and second language learners. In: Richards, J. C. (ed.) Error Analysis: Perspectives on Second Language Acquuisition. London: Longman, 134-155
Klassische Morphem-Studie zum L2-Erwerb.

Rehbein, Jochen & Grießhaber, Wilhelm (1996) L2-Erwerb' versus L1-Erwerb: Methodologische Aspekte ihrer Erforschung. In: Ehlich, K. (Hg.) Kindliche Sprachentwicklung. Opladen: Westdeutscher Verlag, 67-119
Überblick über Forschungsansätze und Forschungsmethoden; beispielhafte Analyse einer Überkreuzbeeinflussung der beiden Sprachen (Türkisch und Deutsch).

Riehl, Claudia Maria (2006) "Mehrsprachige sind oft toleranter." Die Leiterin des Zentrums für Sprachenvielfalt und Mehrsprachigkeit an der Universität Köln fordert, dass alle Kinder schon im Kindergarten eine zweite Srpache lernen sollen. Das Türkische hält sie für besonders geeignet. In: taz 27./28.05.06, taz nrw 3

Schumann, John H. (1976) Social distance as a factor in second language acquisition. In: Language Learning 26, 135-143

Schumann, John H. (1978) The Pidginization Process. A Model for Second Language Acquisition. Rowley: Newbury House
Klassische Arbeit aus der Zeit der Morphem-Studien.

Selinker, Larry (1972) Interlanguage. In: IRAL 10/1972, 209-231
Sehr weitreichende Arbeit, die die L2-Forschung bis heute beeinflusst.

Snow, Catherine E. & Hoefnagel-Höhle, Marian (1978) Age differences in second language acquisition. In: Hatch, E. M. (ed.) Second Language Acquisition. A Book of Readings. Rowley, MA: Newbury House, 333-346

Snow, Catherine E. & Hoefnagel-Höhle, Marian (1978) The critical period for language acquisition: Evidence from second language learning. In: Child Development XLIX/4,1114-1128
Empirische Studien zum Einfluß des Alters auf den Zweitspracherwerb; kommt zu anderen Ergebnissen als Johnson & Newport (s.o.).

Stölting, Wilfried (1980) Die Entwicklung der Zweisprachigkeit bei ausländischen Schülern. In: PRAXIS DEUTSCH Sonderheft 1980, 19-22
Kurze Darstellung der Sprachlernbedingungen und der L2-Erwerbsprozesse; die verwendete Terminologie (z.B. "doppelte Halbsprachigkeit") wird mittlerweile von vielen als einseitig kritisiert.

Stölting, Wilfried (1980) Die Zweisprachigkeit jugoslawischer Schüler in der Bundesrepublik Deutschland. U. Mitarb. v. Delic, D., Orlovic, M., Rausch, K. & Sausner, E. Wiesbaden: Harrassowitz
Empirische Studie zum Sprachstand Deutsch und Serbokroatisch.

Thieroff, Helga (1986) Linguistische Analyse von Filmnacherzählungen deutscher und türkischer Schüler. In: Deutsch lernen 4/86, 32-70
Schwache Bestätigung der Interdependenzhypothese von Cummins.

Thomé, Günther (1987) Argumente gegen die Kontrastivhypothese am Beispiel der Rechtschreibung. In: Deutsch lernen 4/87, 30-34
Aus psychologischer Sicht am Beispiel der Rechtschreibung gegen die Kontrastivhypothese; diskussionswürdige Bestimmung der Fehlerkategorien.

Vogel, Thomas (1991) Die Vergangenheitstempora des Deutschen. Überlegungen zur Didaktik aus sprachwissenschaftlicher Sicht. In: FLuL 20/91, 174-194
Vergleich mehrer Studien zum Erwerb der Vergangenheitstempora; dabei ein einheitliches Bild, das die freie Lehrbarkeit einschränkt (s. auch Diehl u.a. und Pienemann o.). WWW Web

White, Lydia (1989) Universal Grammar and Second Language Acquisition. Amsterdam & Philadelphia: Benjamins
Konsequente Anwendung der generativen Grammatik auf den L2-Erwerb mit dem Effekt, dass kontrastive Mechanismen (wieder) eine Rolle spielen.

Wong-Fillmore, Lily (1979) Individual differences in second language acquisition. In: Fillmore & Kempler & Wang (eds.) Individual Differences in Language Ability and Language Behavior. New York: Academic Press, 203-228
Empirische Studie zum Englischerwerb spanisch-sprechender Arbeitsmigrantenkinder; ermittelt individuelle Unterschiede; betrachtet den L2-Erwerb nicht - wie sonst meist üblich - als Weg von einfachen Einheiten und Strukturen zu immer komplexeren, sondern als Weg von zunächst unverstanden verwendeten Formeln über deren schrittweise Zerlegung zum Erwerb der komplexen Regeln. (Kurzdarstellung WWW Web)

Zimmer, Dieter (1997) Die Mythen des Bilingualismus. Über Mehrsprachigkeit. In: Zimmer, D. E. Deutsch und anders - die Sprache im Modernisierungsfieber. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 215-225
Knappe und verständliche Darstellung zentraler Fragen und Forschungsergebnisse zum Zweitspracherwerb unter dem Aspekt der zweisprachigkeit; als Einstieg sehr zu empfehlen!

Zimmermann, Günther (1973) Personale Faktoren und Fremdsprachencurriculum. In: Praxis 20/73, 3-14
Anschauliche Darstellung von Persönlichkeitsmerkmalen und L2-Erwerb; allerdings sollte das Alter der Arbeit berücksichtigt werden und überlegt werden, welche neueren, differenzierteren Erkenntnisse inzwischen vorliegen!