W. Grießhaber
Examenstips Arbeitstechniken zur Klausurvorbereitung
 

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[ Umfang | Vorbereitung | Gliederung | Definitionen | Zuspitzung | Gewichtung | Lesbarkeit | Abkürzungen | Plausibilität ]


Umfang

Häufig werden Fragen zum Umfang der berücksichtigten Literatur gestellt. Im Prinzip ist die Antwort einfach: Sie sollten die relevante Literatur berücksichtigen. Je nach Thema gibt es dazu mehr oder weniger. Deshalb gibt es keine einfache Antwort.
 

 

Vorbereitung

In der Regel sollten Sie zu dem Thema eine Lehrveranstaltung besucht haben. Schauen Sie also vor dem Sprechstundentermin in Ihren Seminarunterlagen nach und überlegen Sie sich, was Sie an dem Thema interessiert und welche Literatur dazu behandelt wurde.

In der Vorbereitung sollten Sie sich als Ziel setzen, zu Ihrem Thema einen eigenen Standpunkt zu gewinnen, auch wenn sich die Positionen (teilweise) widersprechen. Ein guter Einstieg ist über Überblicksartikel zum sog. state of the art möglich, in dem für ein bestimmtes Thema und einen Zeitraum ein Überblick über die Forschung, die hauptsächlich behandelten Fragen und die wesentlichen theoretischen Ansätze gegeben wird. Mit diesem Basiswissen lassen sich dann andere Beiträge besser einordnen. Ein weiterer Schritt in der Aufarbeitung der Literatur besteht darin, die einzelnen Beiträge eines Autors zeitlich anzuordnen und zu verfolgen, ob und gegebenenfalls wie sich seine Position im Laufe der Zeit geändert hat. So gewinnen Sie ein strukturiertes Wissen über die relevanten Positonen, die Autoren und deren Positionen und die strittigen bzw. unstrittigen Fragen.


Gliederung

Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Erarbeitung einer Gliederung. Vielfach bewährt hat sich dafür die Erstellung einer MindMap. Legen Sie dazu das Konzeptpapier quer vor sich hin und schreiben Sie die zentralen Begriffe der Aufgabenstellung in die Mitte. Schreiben Sie dann die Stichwörter zu den Begriffen, die Ihnen dazu einfallen. Stellen Sie dann Beziehungen zwischen den Stichwörtern und Begriffen her. Auf diese Weise erarbeiten Sie ein aufgabenbezogenes Geflecht von Stichwörtern, aus dem Sie dann die Gliederung entwickeln können.

Sie können mir zwar schon vor der Klausur Ihre Vorbereitungen mit einer möglichen Gliederung schicken, Sie sollten dies aber nicht mit der in der Klausur zu erstellenden Gliederung verwechseln. Innerhalb des besprochenen Themenbereichs werden zwei unterschiedlich akzentuierte Aufgaben gestellt, die eine jeweils spezifische Bearbeitung des Themas und damit auch eine spezifische Gliederung erfordern.

Gliedern Sie Ihre Arbeit in Abschnitte. Die Gliederung hilft Ihnen bei der Zeitplanung. Sie können so immer sehen, wie weit Sie in Ihrem Plan sind und ob Sie eventuell angesichts der knappen Zeit Änderungen vornehmen sollten.
Machen Sie keine zu detaillierte Gliederung in mehr als zwei Ebenen, also z.B. 1. Schreiben: Überblick, 2. Schreibmodelle, 3. Planungsprozesse, 3.1 Planen vor dem Schreiben, 3.2 Planen während des Schreibens, usw.
Machen Sie keine Verzierungen, z.B. farbige Unterstreichungen oder ähnliches.

 

Definitionen

Nehmen Sie das gestellte Thema und bestimmen Sie zunächst, die zentralen Begriffe. Wenn das Thema also z.B. zum Schreiben in der Zweitsprache ist, dann sollten Sie am Anfang zunächst darstellen, was Sie im Laufe der Klausur unter Zweitsprache verstehen, dann sollten Sie darstellen, was Sie unter Schreiben verstehen und anschließend können Sie Ihren eigentlichen Text zum Schreiben in der Zweitsprache entwickeln.

 

Zuspitzung

Spitzen Sie Ihre Ausführungen auf ein Ziel hin zu!

Bei der Erarbeitung der Gliederung sollten Sie sich ein Ziel setzen, z.B. eine These bestätigen oder widerlegen, oder aus einer Gegenüberstellung Schlußfolgerungen ableiten usw.
Arbeiten Sie dann mit Ihrem Wissen um dievon Ihnen gewählte Zuspitzung eine passende Gliederung aus. Geben Sie z.B. schon zu Anfang einen kurzen Überblick über die behandelten Positionen und die mit ihnen verbundenen Aspekte.

 

Gewichtung

Achten Sie auf eine dem Thema angewiesene Gewichtung!

Auf den zentralen Aspekt des Themas sollten Sie mindestens die Hälfte Ihres Textes vewrenden. Bei einer Arbeit zur Nützlichkeit von Comutern bei der Schriftsprachvermittlung sollte dem Computer und seiner möglichen Nützlichkeit also gut und gern etwa die Hälfte gewidmet sein. Ausführungen zum Schriftspracherwerb, z.B. das Stufenmodell von Günther steht dann nicht im Zentrum Ihrer Ausführungen, sondern bildet einen wesentlichen Teil der Grundlage, sollte also auf keinen Fall umfangreicher sein als die Ausführungen zum Computer.

Falls Sie z.B. Ihre Gedanken mit einer MindMap hervorlocken und aufeinander beziehen, sollten Sie bei der Umsetzung der räumlich angeordneten Stichwörter in eine linear gegliederte Folge darauf achten, daß die Gewichtung der Teile stimmt.

 

Lesbarkeit

Schreiben Sie lesbar!

Ich kann nur das begutachten und bewerten, was ich auch lesen kann. In einzelnen Fällen wirkt die Handschrift wie die sprichwörtliche 'Klaue'. Dann muß ich viel Zeit aufwenden, um herauszufinden, was da wohl geschrieben stehen könnte. Wenn ich das nicht täte, müßte ich die Arbeit als nicht den Anforderungen genügend bewerten. Das wollen Sie sicher nicht.

Schreiben Sie auch unter Zeitdruck nicht wild drauflos. Bei einer guten Planung können Sie sich die Zeit so einteilen, daß Sie im Notfall auch einen vorgesehenen Abschnitt auslassen oder einen Argumentationsstrang knapper formulieren können.

 

Abkürzungen

Vermeiden Sie Abkürzungen, schreiben Sie Begriffe und Wörter aus!

Wie soll ich z.B. folgende Ausdrücke verstehen: Entwickl.stufen, Sprachentw. oder Erwachsenenspr. Übliche Abkürzungen wie z.B. können Sie verwenden.

 

Plausibilität & Konsistenz

Haben Sie Ihren Text, nachdem Sie fertig sind, auch noch einmal auf Plausibilität und Widerspruchsfreiheit hin durchgesehen? Wenn nicht, sollten Sie das unbedingt tun!

Immer wieder muß ich feststellen, daß Sie Ihre Positionen und Wertungen nicht konsequent durchhalten.

In einer Klausur zum Zweitspracherwerb sollte also die Bedeutung des Lernalters in sich stimmig behandelt sein, auch bei widersprüchlichen Forschungsergebnissen und teilweise kontroversen Diskussionen in der Literatur. Wie kann man das erreichen? Wenn man z.B. in einem Kapitel zu den Eigenschaften von Zweitsprachlernen feststellt, daß empirisch erwiesen Ältere (Jugendliche und Erwachsene) im Bereich Morphologie und Syntax schnellere Fortschritte machen als Grundschulkinder, dann sollte man nicht anschließend in einem Kapitel zu den ZSE-Theorien schreiben, daß bewiesen sei, daß Migrantenkinder die Zweitsprache wesentlich eher und besser lernen als ihre Eltern (Erwachsene). Hier liegt ein Widerspruch vor. Solche Widersprüche ergeben sich schnell, wenn z.B. die Forschungsergebnisse nicht aus den Primärquellen, sondern aus zweiter Hand stammen. Dann kann man ihre Voraussetzungen und ihre Aussagekraft nicht beurteilen. Mit den Hintergrundinformationen ließe sich der Widerspruch möglicherweise auflösen. Möglicherweise ist man auch bei der Erarbeitung der Positionen nicht präzise genug vorgegangen und hat es versäumt, die Positionen und Forschungsergebnisse - durchaus schematisch - aufzulisten und gegenseitig in Beziehung zu setzen. Man muß also auch eine Beziehung über Kapitelgrenzen hinaus herstellen.

Ein weiterer Aspekt der Konsistenz betrifft die Kohärenz der vertretenen Positionen. Viele AutorInnen vertreten in verschiedenen Abschnitten ihrer Arbeiten Positionen, die sich widersprechen, ohne dies zu bemerken. Ein Beispiel: wenn man im Zusammenhang mit der frühen Fremdsprachvermittlung bei den Lernvoraussetzungen die Position vertritt, daß Kinder im Grundschulalter wenig Hemmungen haben, sich spontan in einer Fremdsprache mit anderen Sprechern zu unterhalten, so stimmt das einerseits nur teilweise (s. z.B. Rück 1990); andererseits sollte man dann aber nicht in einem späteren Abschnitt bei didaktisch-methodischen Fragen schreiben, daß die eben als motiviert und sprechfreudig eingeschätzten Kinder eine Hilfe, z.B. eine Handpuppe, benötigen, um ihre Sprechscheu zu überwinden. Diese Positionen passen nicht zusammen: entweder sind Kinder sprechfreudig, dann benötigt man auch keine Hilfen zur Überwindung einer nicht vorhandenen Sprechscheu, oder die Kinder sind - zumindest im Unterricht(!) - doch nicht so sprechfreudig, wie zunächst behauptet, so daß man tatsächlich geeignete Verfahren zur Überwindung der Sprechscheu benötigt.