Zitat-Icon Zitieren: Funktionen von Zitaten - Grießhaber 2003-2005


Zitieren

Der wissenschaftliche Diskurs ist durch den wechselseitigen Austausch von Positionen, Erkenntnissen und Fragen gekennzeichnet. "Der Zugriff auf einmal formulierte Gedanken, Gefühle etc. gilt im allgemeinen als erwünscht. In der Wissenschaft z.B. fungieren Zitationen u.a. als Anzeiger wissenschaftlicher Güte und des Überdauerns intellektueller Entwürfe." (Jakobs 1995, 464) Im allgemeinen erfolgt die Bezugnahme auf einen Autor ohne wörtliches Zitat. Dabei formuliert der Autor die Position mit eigenen Worten, allerdings mit Angabe der Quelle, z.B. durch eine Kurzform wie im Zitat oben oder im Verweis im nächsten Satz.

Die Konventionen für die Quellenangabe sind in den einzelnen Fächern sehr verschieden (s. Knorr 1998). Wichtig ist allein, daß der Leser die Quelle eindeutig identifizieren kann. Die Konventionen unterscheiden sich hinsichtlich der formalen Klassifizierung des Status der Quelle (Monographie, Sammelband, unselbständiger Beitrag in einer Zeitschrift usw.) und des Umfangs der Angaben (z.B. nur Angabe des Erscheinungsortes wie häufig in der Literaturwissenschaft oder auch Ort und Verlag).

Beachten Sie bei der Kurzreferenz im Text bitte auch den Leser Ihrer Arbeit. Für ihn ist die Quellenangabe mit Autor Jahr, Seite sehr informativ, da eine Arbeit sofort einer bestimmten Zeit zugeordnet werden kann; dagegen ist die Quellenangabe mit a.a.O., S. ## sehr leserunfreundlich, da der Leser wieder mühsam zurückverfolgen muß, welcher Autor mit welchem Werk gemeint ist.

 

Funktionen

Wenn Äußerungen einer anderen Arbeit wörtlich übernommen werden (zitiert werden), dann sagt der Autor damit dem Leser, daß die zitierten Stellen in genau diesem Wortlaut an der zitierten Stelle stehen. Der Autor übernimmt also die Gewähr dafür, daß der Wortlaut nicht verändert wurde. Für das wörtliche Zitieren ist entscheidend, daß es auf den Wortlaut der zitierten Stelle ankommt.

In den meisten Fällen gibt der Autor eine zitierte Position in seinen eigenen Worten oder im Konjunktiv wieder. Bei diesen Verfahren der Berücksichtigung einer anderen Arbeit weiß der Leser dann allerdings nicht sicher, was an der angegebenen Quelle genau steht. Daraus resultiert übrigens ein typischer Fehler bei der Erstellung von Hausarbeiten, da die indirekte Wiedergabe unzutreffenderweise als wörtliches Zitat mißverstanden wurde.

Fallen

Allerdings sind auch wissenschaftliche AutorInnen vor der Mißinterpretation einer Quelle nicht sicher. Solche Fälle behandelt Grießhaber 1999 am Beispiel des Organon-Modells von Bühler (Bühler 1934) in Einführungen in die Linguistik (Bünting 198411, Pelz 1975, 1996). Angesichts dieses Befundes kann nur zu größter Vorsicht beim Umgang mit wissenschaftlichen Einführungstexten geraten werden.

 

Form des Zitats

  • Als eiserne Regel gilt, daß Beginn und Ende eines Beitrags, der wörtlich einer anderen Arbeit (Quelltext) entnommen ist, formal eindeutig gekennzeichnet wird:
    • bei kürzeren Zitaten, die im laufenden Text stehen, erfolgt dies durch Anführungsstriche am Beginn und Ende des Zitats;
    • längere Zitate werden oft ohne Anführungsstriche als eingerückter Absatz in kleinerer Schrift wiedergegeben.
  • Jede Veränderung des Quelltextes muß formal gekennzeichnet sein:
    • Auslassungen werden üblicherweise durch Punkte in Klammern "(…)" angezeigt,
    • Umgestellte Wörter werden an der neuen Stelle in [eckigen] Klammern gegeben.
  • Zitieren der manchmal sehr flüchtigen Internet-Quellen mit Datum des Aufrufs und der Internetadresse (URL), z. Bsp. diese Seite:
    Grießhaber, Wilhelm (2002-2005) Zitieren: Funktionen von Zitaten. URL: http://spzwww.uni-muenster.de/~griesha/eps/zit/funktionen.html (Abruf 24.04.2005)
    (ausführlicher: Endeward & Stettner 2000).

 

typische Fehler

  1. Schlecht geeignete Quelle
  2. Falsch gewähltes Zitat
  3. Überflüssiges Zitat
  4. Veränderung des Quelltextes ohne formale Kennzeichnung
  5. Falsche Einschätzung des Status des Quelltextes

Literaturhinweise

Bühler, Karl (1934) Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Jena: Fischer (neu: Berlin: Ullstein 1978)
Bünting, Karl-Dieter (198411) Einführung in die Linguistik. Königstein/Ts.: Athenäum
Endeward, Detlef & Stettner, Peter (2000) Zitieren von elektronischen Dokumenten. In: Computer und Unterricht 40/2000, 37-39
Grießhaber, Wilhelm (1999) Linguistik light. Argumentative Wissenschaftsprosa in Einführungen. In: Bührig, K. & Grießhaber, W. (Hgg.) Sprache in der Hochschullehre. OBST 59/99, 71-91
Jakobs, Eva-Maria (1995) "Wes Brot ich ess’ ..." Autorität und Zitation. In: Bader, A. & Erfen, I. & Müller, U. (Hgg.) Sprachspiel und Lachkultur. Festschrift zum 60. Geburtstag von Rolf Bräuer. Stuttgart: Akademischer Verlag, 464-486
Knorr, Dagmar (1998) Informationsmangement für wissenschaftliche Textproduktionen. Tübingen: Narr
Pelz, Heidrun (1975) Linguistik für Anfänger. Hamburg: Hoffmann & Campe
Pelz, Heidrun (1996) Linguistik. Eine Einführung. Hamburg: Hoffmann & Campe
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