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Prozeß: Überblick / Beispiel |
(1) Übertragung | (2) Numerierung |
Im Zusammenhang mit unserem Ziel, der Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache, ist die Bestimmung des erreichten Lernstandes sehr wichtig. Beim Schreiben kann der Schreibende aufgrund der "zerdehnten Sprechsituation" ( → Ehlich 1984) nicht wie bei mündlicher Face-to-face-Kommunikation kontrollieren, wie die Äußerungen beim Hörer ankommen und umgekehrt kann der Hörer dem Verfasser keine Rück- oder Verständnisfragen stellen, der Schreibende muß alles verbal ausdrücken. Deshalb stellt die Sprache entsprechende Mittel zur Verfügung, um z.B. dem Leser mitzuteilen, daß der bisherige Fokus weiterhin aufrechterhalten wird, es weiterhin um denselben Sachverhalt geht; im Deutschen sind dies anaphorische Mittel, Wörter, die traditionell als Personalpronomina der 3. Person bezeichnet werden: er, sie und es. Dagegen veranlassen deiktische Mittel, im Deutschen Wörter der Klasse dieser, diese und dieses sowie der, die und das, eine Neufokussierung. Je nach Erstsprache kennen die Lernenden diese Mittel und Verfahren und können die deutschen Mittel ähnlich wie deutsche Muttersprachler verwenden; oder sie sind ihnen völlig fremd (wie z.B. türkischen Lernern), so daß ihre Texte vom deutschen Standpunkt aus irgendwie seltsam wirken. Ein weiteres Mittel ist die Satzform, die von einfachen Strukturen mit Subjekt und Prädikat bis zu mehrfach verschachtelten Strukturen mit Haupt- und Nebensätzen reicht. Diese Strukturierung wird durch Satzzeichen unterstützt. So signalisiert ein Punkt mit anschließender Großschreibung den Abschluß einer satzwertigen Einheit. Lerner haben oft Schwierigkeiten bei der Verwendung von Satzzeichen. Deshalb sind sie kein zuverlässiger Indikator für die vom Schreibenden produzierten Satzeinheiten. Analytisch muß man also oft fehlende Satzzeichen ergänzen oder vorhandene streichen bzw. anders setzen. Für das Deutsche ist schließlich die Wortstellung ein zentrales syntaktisches Mittel zur Organisierung der sprachlich gefaßten Informationen. Vor allem die nach Haupt- und Nebensatz unterschiedliche Stellung finiter Verbteile ist ein besonderes Merkmal des Deutschen, das auch weit fortgeschrittenen Lernern noch Schwierigkeiten bereitet. Die Wortstellung hat sich in vielen empirischen Untersuchungen als zuverlässiger Indikator für den erreichten Sprachstand erwiesen - Infos zur → Profilanalyse. Mit Rehbein 1992 unterscheiden folgende Grundmuster - → Infos: |
HS | VORFELD | VERB-fin | Mittelfeld | VERB-inf | SER [.] |
| 1 | Ein KrahnSubjekt | kam | |||
| 2 | PlötzlichADV | fährt | der FahrerSubjekt langsamer | ||
| 3 | DaADV | kommt | der BusSubjekt wieder | runter Verbpräfix | . |
| 4 | DaADV | haben | eine Mutter mit ihr KindSubjekt | gesehen | [,] |
NS | SUBJUNKTION | -- | Mittelfeld | VERB-fin | SER [.] |
| 5 | weil | sieSubjekt dumm | sind | . | |
| 6 | das | der KranSubjekt das Auto hochgehoben | hat | . |
Wie die Tabelle zeigt, spielen Subjekte, Adverbiale, finite und infinite Verbteile sowie Konjunktionen eine entscheidende Rolle bei der Wortstellung. Auch wenn sie von der orthographischen Norm abweichen oder sogar mit falschem Kasus oder Genus verwendet werden, kann mit Hilfe der Stellung dieser besonderen Wörter die syntaktische Struktur recht zuverlässig ermittelt werden. Dies steht im Zentrum der folgenden Übungen. |
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