'Zahnarzt': Planen (Grießhaber 2006)


Text

Scan
Transkript

  1. ich war beim Zanarzt.
  2. er hat mir die Zäne
  3. nach gekuckt. Die
  4. arzten hat mir
  5. den zahn aufgebohrt.
  6. Aber ich hatte keine
  7. Angst.
 

Planen

Die Planungsphase für den Text ist nicht transkribiert. Es ist nicht bekannt, wie Miraim und die Tutorin auf die Idee kamen, über den Besuch beim Zahnarzt einen Text zu schreiben.

Während der Schreibphase finden sich einige Abschnitte, in denen das weitere Vorgehen geplant wird. Es lassen sich zwei Typen von Planungsprozessen unterscheiden:

• Planung des folgenden Textstücks, z.B. Und jetzt muß ich schreiben, was da war.

• Planung der Schreibung eines Wortes, z.B. wie wird das geschrieben?

 

Planungsdiskurs

Transkript

Nr.

Sigle

Äußerung

01

MAR

Ich war beim Zahnarzt. (MAR liest den geschriebenen Text vor.)

02

MAR

Und jetzt muß ich schreiben, was da war.

03

DOR

Hmhm.

04

MAR

((9s)) Hm

05

MAR

((3s)) Was soll ich jetzt schreiben?

06

MAR

• Hm ((3s))

07

DOR

Hattest du Angst?

08

MAR

Aä, keine Angst, ich hab nichtmal einmal geweint.

 

Analyse

Nachdem Mariam den ersten Satz des Textes über ihren Zahnarztbesuch - eine Art Überschrift - geschrieben hat, liest sie ihn vor (S 01) und fokussiert ihren nächsten Handlungsschritt (S 02).

Handlungslogisch bezieht sie sich nun auf die Ereignisse während des Arztbesuchs - was da war (S 02).

Ihre eigene Schreibtätigkeit stellt sie unter das Modalverb müssen. Sie bezieht sich damit auf ein extern ihr eigenes Handeln steuerndes Gebot (s. Grießhaber & Özel & Rehbein 1996). Mit dem temporaldeiktischen Ausdruck jetzt wird diese Tätigkeit als unmittelbar anstehend charakterisiert.

Die Tutorin bestätigt den von Mariam geäußerten Handlungsschritt mit bestätigendem Hmhm (S 03).

Nun schließt sich eine längere erfolglose Suche an. Mariam beginnt mit einer längeren Suche nach geeigneten Inhalten, die nach neun Sekunden mit einem Hm (S 04) abschließt.
Nach einer weiteren erfolglosen Suche von 3 Sekunden verbalisiert sie ihr Problem mit der Frage, was sie schreiben soll (S 05). Damit wendet sie sich an die Tutorin, sie erweitert also im Gespräch ihre Handlungsmöglichkeiten. Diesmal verwendet sie das Modalverb sollen. Damit bezieht sie sich auf eine externe Instanz, die ihr Handlen steuert. Da sie dies als Frage formuliert, gibt sie damit auch zu verstehen, daß sie mit ihren Mitteln nicht mehr weiterkommt.
Doch auch diese Fokussierung des eigenen Planungsprozesses führt zu keinem positiven Ergebnis.

Nach weiteren drei Sekunden greift die Tutorin ein. Auf der Grundlage ihres eigenen Erfahrungswissens um Unannehmlichkeiten bei Zahnarztbesuchen thematisiert sie mögliche Ängste (S 07). Sie macht dies, indem sie Mariam fragt, ob sie Angst hatte. Sie richtet also die Aufmerksamkeit von Mariam auf einen Aspekt des inneren Erlebens im Zusammenhang mit dem Zahnarztbesuch, die Angst.

Diese Frage löst die Blockade bei Mariam. Sie verneint die Frage nach der Angst und belegt dies mit ihrem Verhalten, daß sie nicht einmal geweint habe (S 08). Auch wenn die Tutorin mit ihrer Vermutung, daß Mariam Angst gehabt haben kök;nnte, nicht recht hatte, aktiviert sie mit ihrer Frage bei Mariam einen Wissensbereich, der nun die weitere Textproduktion aufschließt.

Mariam verwendet nun allerdings das gefundene Teilthema Angst nicht sofort bei ihrem nächsten Satz (S 2 und folgende), sondern kommt erst am Ende ihres Textes auf die Angst zurück (S 6-7) und behandelt zuvor zwei äußere Handlungsschritte. Sie hebt sich die Verbalisierung des eigenen inneren Erlebens bis zum Schluß auf.



Literaturhinweise

Datenerhebung & Transkription: Gehling, P & Olbers, P. & Eickhoff, P. (1998) Projektarbeit im HS Schriftlichkeit im Zweitspracherwerb
Grießhaber, Wilhelm & Özel, Bilge & Rehbein, Jochen (1996) Aspekte von Arbeits- und Denksprache türkischer Schüler. In: Ulonska, H. & Kraschinski, S. & Bartmann, T. (Hgg.) Lernforschung in der Grundschule. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 160-179;
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