L2-Schreiben « Schreiben Schreiben | eps-logo EPS | Examenstips Examenstips | W. Grießhaber |

Schreibhand Verdeckte Sprachschwierigkeiten (Knapp 1999)

1997 / plötzlich / Resümé / Bild / Texte | Bsp: Plötzlichkeit / A-Referenz: 01 / 13 / 31 / 37 | Kohärenz: 31

Syntaxprofile: Tabelle / 01 / 09 / 13 / 31 / 37 | 1999 Texte: 01 / 09 / 13 / 31 / 37 | 1999


Beobachtungen

Zunehmend schwächere Sprachleistungen in der Sekundarstufe auch bei Lernern, die die Grundschule mit durchschnittlichem Leistungsniveau verließen.
Im 7. Schuljahr haben nach Steinmüller 1987 in Berliner Schulen "stark defizitäre" Deutschkenntnisse:

  • 44% der in Deutschland eingeschulten türkischen Kinder
  • 18% der türkischen Kinder mit 3 bis 4 bis Jahren türkischer Grundschulausbildung

 

Ursächlich dafür sind nach Knapp nicht erkannte verdeckte Sprachschwierigkeiten schon in der Grundschule.

 

Grundschule

  • stark standardisierte und ritualisierte formelhafte Klassenzimmersprache
  • Wissensvermittlung weitgehend an das Unterrichtsthema gebunden
  • häufige Verwendung von Vermeidungsstrategien oder Umschreibungen für nicht sicher beherrschtes
    → erzeugt den Eindruck umgangssprachlich kommunikativer Geläufigkeit
  • Lehrende auf Inhalt, nicht auf Form konzentriert;
    Schwierigkeiten entgehen leicht
  • Lehrende schätzen Verstehensleistungen zu optimistisch ein
  • Unterrichtsgegenstände werden umfangreicher, anspruchsvoller und komplexer → Schriftsprache
 

Sekundarstufe

  • Besondere Schwierigkeiten der Schriftsprache:
    • keine begleitenden Erläuterungen, Gestik, Mimik, Prosodik zur Verdeutlichung
    • kein helfender Gesprächspartner für Umformulierungen, Vereinfachungen
       
  • Schriftsprache wird komplexer:
    • anfangs: mündliche Sprache komplexer, vielfältigere syntaktische u. morphologsiche Strukturen
    • spätere Umkehrung: längere Lesetexte, Gesamtverständnis, Textproduktion
       
  • Unterrichtssprache wird konzeptuell schriftlich:
    • anfangs: unmittelbar wahrnehmbare Einzelerfahrungen, konkrete Gegenstände, Unterrichtssprache entspricht weitgehend der Alltagsprache, konzeptuell mündlich, informell
    • später: konzeptuell schriftlich: zum Verständnis der Beziehungen zwischen den außersprachlichen Objekten ist exaktes Verständnis der Beziehungen innerhalb des Textes erforderlich → gute morphologische und syntaktische Kenntnisse
       
  • Probleme mit der Begriffsbildung:
    • anfangs: sensorisch begründeter Umgang mit Alltagsbegriffen, unmittelbar vorstellbar, Vorstellungsvermögen durch Illustrationen unterstützt
    • später im Sachunterricht: Komposita, Verständnis der einzelnen Morpheme und der Gesamtbedeutung, die sich nicht gesetzmäßig aus den Einzelbedeutungen der Morpheme ableiten läßt, bsp. "Druckausgleichsbehälter" bei Wasser
    • Unkenntnis bestimmter Wörter, die in ihrer Kultur / Religion keine Rolle spielen, bsp. Ableitung von "äu" aus Wörtern mit "au": "Haus" → "Häuser", "Täufling"
    • Wandlung der Sprache von Alltagsbegriffen hin zu wissenschaftlichen Begriffen

Literaturhinweise Knapp, Werner (1999) Verdeckte Sprachschwierigkeiten. In: Die Grundschule 5/99, 30-33
Steinmüller, Ulrich (1987) Sprachentwicklung und Sprachunterricht türkischer Schüler (Türkisch und Deutsch) im Modellversuch "Integration ausländischer Schüler in Gesamtschulen". In: Thomas, H. (Hg.) Modellversuch "Integration ausländischer Schüler in Gesamtschulen", Abschlußbericht der Wissenschaftlichen Begleitung. Bd. I. Berlin: Pädagogisches Zentrum, 207-315
weitere Literatur

W. Grießhaber 2003-2008