Schreibprozess Schreibprozeßmodell nach Hayes & Flower 1980


Schreiben

Hayes & Flower 1980 haben das Schreiben als psychischen Prozeß untersucht. Dabei verwendeten sie Protokolle lauten Denkens (→ Auszüge) aus der psychologischen Forschung zu Problemlösungsprozessen. Mit dieser Methode entwickelten sie das unten stehende Modell des Schreibens (→ Modell in größerem Maßstab). Ihre Arbeit war von entscheidender Bedeutung für die Schreibprozeßforschung.

  
 

Schreibmodell von Hayes u Flower


Strukturelle Merkmale des Schreibprozesses nach Hayes & Flower:
 

  • Allgemein: der Schreibprozeß ist zielgerichtet, die Schreibziele sind hierarchisch organisiert, Schreiber benutzen vornehmlich 3 mentale Prozesse:
    Planen (planning), Satzgenerieren (translating) und Revidieren (reviewing).
     
  • Zielgerichtetheit: zu Beginn des Schreibens beschäftigen sich Schreiber mit den hauptsächlichen Zielen des Schreibvorhabens (writing assignment).
     
  • Hierarchische Anordnung: nach der Beschäftigung mit den Hauptzielen entwickeln Schreiber untergeordnete Ziele; dies geschieht z. T. nach dem Sammeln von Ideen (brainstorming), die dann hierarchisch angeordnet werden.
     
  • Planungsprozesse: da das Wissen auf sehr unterschiedliche Art und Weise gespeichert ist (z.B. in Form von Spruchweisheiten (Morgenstund hat Gold im Mund), festen Redewendungen oder in Bildern usw.), sind auch Schreibpläne komplex; wichtig ist in jedem Fall ausreichendes Wissen über das Thema (the writer's long term memory);
    jedes Thema erfordert eine angemessene textuelle Umsetzung (z.B. ernst, humorvoll, Märchen, usw.); strategisches Wissen über die schrittweise Realisierung des Schreibplans.
     
  • Satzgenerierung: die entwickelten Schreibpläne werden schrittweise in Sätze "übersetzt" (translating); meist werden Sätze in kleineren Einheiten erzeugt und geschrieben.
     
  • Revidieren "Schreiben ist Revidieren"; Anfänger haben noch kaum Kapazitäten für Revisionsprozesse (reviewing); erst erfahrene Schreiber gehen einen produzierten Text systematisch mehrmals durch.

Anmerkung:

Da die Entwicklung des Modells methodische Anleihen an der Erforschung von Problemlösungsprozessen (Methode des Lauten Denkens bei Problemlösungsprozessen) machte, wurde vereinfachend Schreiben generell als Lösen von Problemen betrachtet. Inzwischen wird unterschieden zwischen einem 'normalen' Schreiben und einem Schreiben mit Problemen, wie es u.a. bei nicht wenigen Studierenden zu beobachten ist.


Literaturhinweise

Hayes, John R. & Flower, Linda S. (1980) Identifying the organization of writing processes. In: Gregg, L. W. & Steinberg, E. R. (eds.) Cognitive Processes in Writing. Hillsdale: Erlbaum, 3-30
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