Schreibhand Schreibkonferenzen: Basis


Ablaufschritte

(1) Individuelle Themenfindung und Erstellen eines Entwurfs.

(2) Schreibkonferenzen: Autorenkind und zwei weitere Mitarbeiter arbeiten am Entwurf

(3) Endredaktion des Entwurfes durch bzw. mit der Lehrerin.

(4) Veröffentlichung in der Veröffentlichungsstunde (Dichterlesung).

 

Spitta 1992, 43

 


'Philosophie'

Schreibkonferenzen stellen den Prozeß der Texterstellung ins Zentrum.

konventionell

Bei der konventionellen Schreibdidaktik stellt die kompetente Lehrkraft den Lernenden zunächst am positiven Beispiel eines Textes vor, wie ein gelungener Text auszusehen hat und durch welche Merkmale er geprägt ist. Sodann sollen die Lernenden zu einem vorgegebenen Thema das vorgestellte Muster selbst realisieren. Eigene Mitteilungsabsichten oder Interessen spielen - wenn überhaupt - eine absolut untergeordnete Rolle. Einziger relevanter Adressat der Schreibübung ist die Lehrperson. Sie beurteilt, inwieweit der Lernende das Muster schon realisieren kann. Bei Abweichungen vom Muster gibt sie Hinweise zur Änderung des Schreibens. Der Lernende soll sich die Schreibfertigkeit dadurch aneignen, daß er vorgegebene Muster möglichst gut erfüllen kann.

Bei diesem Vorgehen fehlen den Lernenden authentische Reaktionen auf ihren Text. Außerdem wird der Prozeß des Schreibens, der durch gedankliche Planungstätigkeiten, Schreibphasen und Revisionen gekennzeichnet ist, nicht berücksichtigt. Es wird praktisch erwartet, daß nach kurzer Planung - eventuell auf einem Konzeptpapier - der Text in einem Rutsch erstellt wird.

Prozeßorientierung

Im Konzept der Schreibkonferenzen steht dagegen der Prozeß der Texterstellung im Zentrum. Es wird davon ausgegangen, daß die Kinder selbst Schreibmuster entwickeln, in dem Maße, wie sie verschiedene Textarten in ihrer Funktionalität kennenlernen. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, daß sie reale Rezipienten für ihre Texte haben und erleben, wie diese Rezipienten auf ihre Texte reagieren. Dadurch erkennen sie die Wirkung ihrer Texte und die Kluft zwischen ihrem Mitteilungsbedürfnis und dem tatsächlich Ausgedrückten. Im Dialog mit den Rezipienten können sie an der Schließung dieser Kluft arbeiten.

Zerlegung

Außerdem wird der Prozeß der Texterstellung zerlegt, so daß er nicht mehr in einem riesigen Schritt bewältigt werden muß, sondern in kleineren überschaubaren Phasen. Diese Phasen haben jeweils eigene Schwerpunkte, so daß die Arbeit am Text in verschiedene, getrennt optimierbare Teilschritte zerlegt wird. Das Kind erwirbt Schreibtechniken und ist nicht mehr darauf angewiesen, entweder als begnadeter Schreiber schreiben zu können oder eben nicht zu können.

Achtung

Das Konzept bricht in einem zentralen Punkt mit der Vorstellung, daß die kompetente Lehrkraft dem Lernenden das Lernobjekt in kleinen Portionen präsentiert, die Schritt für Schritt vermittelt werden. Stattdessen wird 'lediglich' ein organisatorischer Rahmen geschaffen, in dem die Lerner selbst - phasenweise allein und phasenweise mit anderen Lernern - an der Erstellung eines Werkes arbeiten, dessen Eigenschaften sie sich erst im Prozeß erarbeiten, ohne daß ihnen fertig kopierbare Muster vorgestellt worden wären. Die Frage ist also, inwieweit (noch inkompetente) Lerner in der Interaktion mit anderen (ebenfalls noch inkompetenten) Lernern lernen können.

 


Probleme

  • Führt die Entdeckung problematischer Stellen in der Schreibkonferenz zur Änderung des Textes?
    Becker-Mrotzek berichtet, daß Schüler durch die mündliche Klärung die Probleme bereinigt haben, ohne den Text selbst zu ändern
  • Wie kann der Fokus auf Merkmale der Textoberfläche auf größere Einheiten gelenkt werden?
    Becker-Mrotzek und andere berichten, daß Schüler vor allem Phänomene der Textorberfläche bearbeiten, während der allgemeine Textaufbau und die Argumentation kaum bearbeitet werden.
  • Wie kann eine gleichmäßere Beteiligung am Gespräch erreicht werden?

Die beobachteten Probleme deuten darauf hin, daß die Lerner der Unterstützung durch eine kompetente Lehrkraft bedürfen. Es ist interessant, daß in der Konzeption von Graves der Lehrkraft eine größere Rolle zugewiesen wird als in der von Spitta vertretenen.

Hinweise

  • Ausgearbeitete Tips für die Arbeit in den Schreibkonferenzen, die Punkt für Punkt abgearbeitet werden können.
  • Einweisen in die Arbeit an Texten, damit eine bearbeitete Textstelle von allen Beteiligten eindeutig und schnell identifizert werden kann.

Buch Literatur zu Schreibkonferenzen