Eine Grundlage zur Analyse translatorischen Handelns bietet die Bestimmung des reformulierenden Handelns durch Bührig 1996:
Die (…) 'reformulierenden Handlungen' stellen im Hinblick auf ihre Bezugshandlung eine erneute sprachliche Verarbeitung bereits verbalisierten Wissens dar und beheben ein Defizit einer bereits geleisteten, ersten sprecherseitigen sprachlichen Verarbeitung von Wissen. Vor diesem Hintergrund erscheinen sie als 'Sprechhandlungsrekursionen', da kein neues Wissen versprachlicht wird, sondern die 'reformulierenden Handlungen' setzen bei der Formierung von Wissen im propositionalen Gehalt der Bezugsäußerungen an.
Das translatorische Handeln ist demnach als reproduzierendes Handeln zu bestimmen.
Bührig & Rehbein 1996 bestimmen das transalatorische Handeln folgendermaßen:
Beim Übersetzen fungiert die translatorisch handelnde Person zugleich lesend und reproduzierend. Das Äußerungsprodukt liegt schriftlich fixiert vor, die Perzeption erfolgt satzweise. Die weiteren Operationen werden immer wieder probeweise duchlaufen (mit Zwischenergebnissen im Diskursgedächtnis) und bereits angewendete Verfahren werden reappliziert ("multiple stage") (was aufgrund der Nicht-Flüchtigkeit des Äußerungsprodukts möglich ist), bis schließlich durch Rekonstruktion des Schemas und des Ensembles der Prozeduren der Satz rezipiert wird. Die Rezeption kann mental bleiben oder in der reproduzierenden Handlung verschriftlicht bzw. zu Übungszwecken mündlich exothetisiert werden. Die Übernahme der Nachgeschichte, das eigentliche Verstehen, etwa in einer denkerischen Auseinanderestzung geschieht druch das Lesen der Übersetzung, der schriftlichen reproduktiven Vertextung.
→ Diagramm
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Ausgehend von
- der Bestimmung einzelner Konstruktionen und
- der Suche nach dem finiten Verb
- kommt es zunächst zu einem vorläufigen Aufbau einer Wissensrelation zwischen dem lexifizierten Verb in der AS (Rhema) und seiner deutschen Entsprechung [ZS]. Wenn diese als potentielles Thema der Wissensrelation in der ZS vorliegt, werden
- im Zuge einer Delexifizierung die Feldcharakteristika des Verbs aktiviert. Bei diesem Verfahren kommt es zu einer Suche nach sprachlichen Elementen, die von diesem Verb abhängig sind.
- Sind diese gefunden und ebenfalls einer Wissensrelation unterworfen, ist die Basiskonstruktion des Satzes in der AS erfaßt, d.h. die Feldcharakteristika der operativen Prozeduren sind in ZS aktualisiert. Die Basiskonstruktion ist ein Ansatzpunkt, der den Übersetzenden
- die Ausbildung eines Schemas durch weitere Zerlegungsverfahren und durch den Aufbau einzelner Wissensrelationen ermöglicht, in das weitere Themen eingepaßt werden.
Der Prozeß der Schemabildung verläuft offenbar sukzessiv.
Für die sukzessive Schemabildung beim Übersetzen ist nun charakteristisch, daß aufgrund der permanenten Präsenz des Ausgangssatzes die Themen der Wissensrelationen probeweise ausgewählt und hinsichtlich ihrer Kontextsensitivität überprüft werden können, nachdem bereits eine Aktivierung der Feldcharakteristika einzelner Ausdrücke geschehen ist.
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