Kultur |
… ein Ensemble gesellschaftlicher Erfahrungen, Denkstrukturen, Vorstellungsformen und Handlungspraktiken, z.B. Pünktlichkeit
… hat die Qualität eines mentalen Apparates, eines 'kulturellen Apparats' |
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Kultur nach Gramsci |
gesellschaftliches Bewußtsein und demgemäße Praxis; Handlungsbegriff, der die mechanische Reproduktion gesellschaftlicher Formen überwindet;
nicht homogen, sondern strukturiert und bezogen auf |
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- verschiedene gesellschaftliche Gruppen, soziale Klassen
- verschiedene Gattungen (Literatur, Volkspoesie, Musik, Theater, Zirkus, Kino, usw.)
- Handlungsformen (Folklore, Rhetorik vor Gericht usw., schulische Aktitivitäten)
Anfang neuer Verhältnisse zwischen Gruppen, Gattungen & Handlungsformen
letztere bestimmt, tradiert und reproduziert durch die gesellschaftlichen Apparate wie Schule, Presse, Kirche, Gerichtswesen, Architektur, Politik; vermitteln die materielle Basis der Gesellschaft mit deren ideologischen Formen; haben eine 'doppelte Natur' |
Sprache nach Gramsci |
wirkt strukturierend auf Kultur: Sprechweisen (linguaggi) mit (sozialen) Reichweiten (Dialekt - Hochsprache), Gattungen und Handlungsformen; Sprache bindet das Verstehen verschiedener kultureller Ausdrucksformen an die Beherrschung der jeweiligen Sprechweise und Sprache; für intralinguale und interlinguale Kommunikation |
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Ebenen |
analytischer Ansatzpunkt ist nicht allein Sprache, sondern
• Gesellschaft (~sformation), Aktantengruppen (Stämme, Klassen), Mix, Minderheiten,
• Wissens- und Erwartungsstrukturen (gesellschaftliches Bewußtsein),
• Handlungsformen sowie
• sprachliche Mittel (Sprache) und ihr Bezug zum kulturellen Apparat
IKK im engeren Sinne: innerhalb einer Gesellschaft
IKK im weiteren Sinne: zwischen verschiedenen Gesellschaften
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IKK i.e.S. |
Aktantengruppen einer Gesellschaft und einer Sprache
IKK-Moment: differierende kulturelle Apparate, z.B. Wissensstrukturen, Handlungsformen und sprachliche Mittel
mögliche Probleme aufgrund differierender kult. Apparate:
(1) Bsp. kleinbürgerliche Arbeiterin + Linksintellektuelle mit Blick auf gesamtgesellschaftliche Probleme → kult. affirmierendes oder negierendes Handeln
(2) Bsp.: franz. + jap. Kleinbürger: weitgehende Übereinstimmung der kult. Apparate |
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IKK i.w.S. |
verschiedene Gesellschaften und verschiedene Sprachen
Sprecher & Hörer partizipieren in höchst unterschiedlicher Weise an unterschiedlichem gesellschaftlichem Wissen und sprachlichen Handlungsmustern
→ unterschiedliche Erwartungsstrukturen und Systeme von Selbstverständlichkeiten (Präsuppositionen) |
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Beispiele |
Beispiele |
Arbeits- migrant ↔ Deutsche |
fremd- sprachlich |
dt.-türk. Studis |
Kurden in der L2 Türkisch |
Gesellschaftsformation |
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≠ |
= |
Gesellschaft |
≠ |
≠ |
≠ |
= |
Aktantengruppen |
≠ |
= |
= |
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Wissens- & Erwartungsstrukturen |
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Handlungsformen |
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Sprachen |
≠ |
≠ |
≠ |
≠ |
kultureller Apparat |
≠ |
≠ |
≠ / = |
∼ / ≠ |
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Erläuterungen |
entscheidend zur Beurteilung interkulturellen Handelns sind
- die gegebenen Differenzen hinsichtlich der kulturellen Apparate,
- die Bewußtheit möglicher differierender Präsuppositonssysteme und
- die Behandlung der Differenzen
• Handeln ohne Bewußtsein der kulturellen Wissensdifferenz:
Unterstellung des jeweils eigenen Präsuppositonsbestandes als gemeinsam gültig unterstellt → charakteristisch für ethnozentrisches Handeln → kommunikativer Mißerfolg
oder äußerliche, nicht-kulturelle Lösung durch Assimilation oder Integration ohne Bearbeitung der Differenzen
• Bewußtmachung und Bearbeitung der Differenz:
erfordert Explizitmachen der Differenzen
sich Einlassen auf die Verwendung einer fremden Sprache;
Formen der Bearbeitung durch Verständigungshandlungen, z.B.:
Erklären, Verdeutlichen, Paraphrasieren, Wahl von Ausdrucksformen usw. Behandlung der Situation mit Blick auf die sprachl. Mittel und Restitutierung eines kooperativen Handlungsraums
Anforderungen an den native-speaker:
In-Frage-Stellen vertrauter Muster; nicht Diskriminierung des abweichend handelnden Fremden, oder Ignorierung der Widersprüche (z.B. in Behörden)
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