Pragmatik: Problemlösen ⇔ Aufgaben-Stellen & -Lösen

Problemlösen-Aufgabenstellen: Muster / Diagramm


Problemlösen

Wenn zur Erreichung eines Ziels (noch) keine Wege zu diesem Ziel bekannt sind, also (noch) keine bekannten Verfahren, Techniken und Operationen zur Verfügung stehen, werden zur Überwindung dieser Barriere Problemlösungsmaßnahmen ergriffen (Süllwold 1959 nach Ehlich & Rehbein 1986, 9).
Solche Problemlösungen unternehmen Individuen, gesellschaftliche Gruppen oder ganze Gesellschaften, z.B. bei der Entwicklung von Werkzeugen, etwa der Dampfmaschine, des Computers oder der Schriftentwicklung.

Elemente des Problemlösens
  1. Problemkonstellation
  2. konkrete Negation (Identifizierung des Unbekannten)
  3. Zielsetzung
  4. Konsultation (Befragung) des Wissens
  5. Zerlegung
  6. Planbildung
  7. Lösungswege
  8. Lösung
Standard Problemlösungen

Aus der wiederholten Anwendung von erarbeiteten Lösungen entwickeln sich standardisierte Problemlösungen für die jeweiligen Ziele. Es handelt sich um gesellschaftliche Lösungen.
In der Institution Schule werden derartige Standardproblemlösungen in einer beschleunigten Art und Weise in einem 'akzelerierten Wissenserwerb' vermittelt. Allerdings enthält diese Art der Wissensvermittlung die Gefahr, daß die Lernenden nur bruchstückhafte Wissenspartikel ohne ihre funktionalen Bezug zur Problemkonstellation und Zielsetzung erwerben. Dies ist das '(Auswendig-)Lernen für eine Prüfung' ohne jede praktische Relevanz.


Aufgaben-Stellen & -Lösen

Charakteristisch für das Aufgaben-Stellen & -Lösen ist die Aufteilung des Musters auf zwei Aktanten(gruppen):(a) die Aufgabensteller (Lehrer) und (b) die Aufgabenlöser (Lerner). Der kollektive Prozeß des Problemlösens wird aufgelöst und zerlegt.

Aufgabensteller (Lehrer) verfügt über

  1. die Problemkonstellation
  2. die Zielsetzung
  3. die sinnvolle (d.h. problemrelevante) Zerlegung der Problematik
  4. die Lösung
  5. die Lösungswege

Aufgabenlöser (Lerner)

verfügt weder über die Problemstellung, noch über die Zielsetzung, noch über die problemrelevanten Zerlegungsmöglichkeiten der Problematik. Ihm fehlt das Zielbewußtsein, das der Aufgabensteller besitzt.
Das Zielbewußtsein bildet jedoch den Steuermechanismus des Musters, indem es die Handlungen auf das (unbekannte) Ziel hin organisiert. Darin liegt die 'Motivationsproblematik' des Unterrichtens.


Motivierungsverfahren des Aufgabenstellers
  • Versuch, dem Lerner das Gesamtinteresse für das Problem zu induzieren, z.B. indem die Aufgabenthematik als für den Lerner höchst interessant erscheinen soll - 'lateinische Grammatik ist spannend wie ein Krimi'
  • Versuch, die Problematik in 'schülernaher Weise einzupacken'
  • 'didaktische Umsetzung' der Problematik in Teilaufgaben

Literatur Ehlich, Konrad & Rehbein, Jochen (1986) Muster und Institution. Untersuchungen zur schulischen Kommunikation. Tübingen: Narr, 8ff.
Süllwold, F. (1959) Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten des Problemlösungsverhaltens. In: Graumann, C. F. (Hg.) (19715) Denken. Köln: Kiepenheuer &l; witsch, 273-295