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Erzaehlen Wiedergeben - Nacherzählen (Rehbein 1987)

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Linguistik: Tempus / → Verkettung

Wiedergeben: Rehbein: allgemein / sprachl. Mittel & Prozeduren / lex. Strategien / Referieren - Memorieren |


Wiedergeben/Nacherzählen werden immer wieder didaktisch in der (Fremd-)Sprachvermittlung und in der Forschung bei der Sprachdatenerhebung eingesetzt.

Probanden wird eine Geschichte auditiv oder audiovisuell präsentiert, die sie anschließend bekannten oder vorher noch nicht bekannten Personen wieder geben.

Eine zentrale Rolle beim Wiedergeben spielt das Verstehen der den Probanden präsentierten Äußerungen.

Am Beispiel der Wiedergabe eines Videoausschnitts aus der Sesamstraße zeigt Rehbein 1982, daß die türkischen SchülerInnen das Wahrgenommene und nur partiell verstandende in vertraute Handlungsmuster einordnen, das Gezeigte z.B. als Restaurantbesuch oder als Krimi kategorisieren.
Die entscheidende Rolle des Verstehens zeigt sich auch bei der Untersuchung, wie türkische SchülerInnen eine auf deutsch und türkisch präsentierte Geschichte wiedergeben: die zunächst auf deutsch präsentierte Geschichte kann weder auf Deutsch noch auf Türkisch wiedergegeben werden, da sie nicht verstanden wurde. Erst nach der Präsentation in der stärkeren Sprache Türkisch kann sie in beiden Sprachen wiedergegeben werden.
In der Schule kann das Nichtverstehen zu Ersatzhandlungen führen, um der Lehrperson dennoch etwas abzuliefern, auch wenn explizit mitgeteilt wird, daß die eigentliche Aufgabe nicht bewältigt werden kann (s. die von einer türkischen Schülerin als Wiedergabeersatz angefertigte → Ersatz-Zeichnung bei einer Wiedergabe (Grießhaber 1988)).

Beim Verstehen kommt es nicht darauf an, daß das Gehörte Wort für Wort oder Satz für Satz verstanden wird, sondern darauf, daß der Kette von Äußerungen ein kohärenter Gesamtzusammenhang zugewiesen werden kann. (s. a. → Wiedergeben des Fahrradunfalls)
Der Hörer muß das Verstehen des Ganzen aus den sukzessive gebotenen Teilelementen der Erzählung konstruieren. Dazu muß er laufend einen Gesamtrahmen konstruieren und vorauskonstruieren. Dazu wird das Vorwissen aktiviert, das eine Rahmensetzung vornimmt, die mitunter weit ab liegen kann (s.o.).

In diesem Prozeß werden auf lexikalischer und syntaktischer Ebene kognitive Erschließungsstrategien angewendet, um z.B. unbekannte Wörter aus dem/im Kontext zu erschließen.


Literatur
  • Grießhaber, Wilhelm (1999) Sprachliche Prozeduren bei der Wiedergabe einer Hörspielszene. In: Johanson, L. & Rehbein, J. (Hgg.) Türkisch und Deutsch im Vergleich. Wiesbaden: Harrassowitz, 95-128
  • Rehbein, Jochen (1982) Zu begrifflichen Prozeduren in der zweiten Sprache Deutsch. Die Wiedergaben eines Fernsehausschnitts bei türkischen und deutschen Kindern. In: Bausch, K.-H. (Hg.) Mehrsprachigkeit in der Stadtregion. Düsseldorf: Schwann, 225-281
  • Rehbein, Jochen (1987) Diskurs und Verstehen. Zur Rolle der Muttersprache bei der Textverarbeitung in der Zweitsprache. In: Apeltauer, Ernst (Hg.) Gesteuerter Zweitspracherwerb. München: Hueber, 113-172