Didaktik Didaktische Grundkonzepte (Grießhaber 2003-2005)


Einbettung des Erzählens in den Unterrichtlichsablauf

 

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VORBEREITUNG

Erzaehlen

NACHBEREITUNG

 

(0) Sprachliche Voraussetzungen für erfolgreiches Erzählen in der Zweitsprache

 
  • Ausreichender Wortschatz in der Zweitsprache für das Erzählthema
     
  • Ausreichende Grammatik Sprechen über Vergangenes erfordert:
    • Vergangenheitstempora, d.h. Stufe 2 → Profilanalyse
    • Verkettungsmittel Und dann …: Inversion von Subjekt und Finitum, Stufe 3 der Profilanalyse
 

(1) Vorbereitung auf das Erzählen

 
  • In der Grundschulpraxis scheint das erlebnisbasierte Erzählen zu dominieren. Dafür braucht es wenig Vorbereitung, da die Kinder ja schon wissen, was sie erzählen wollen.
    Nicht von ungefähr wird an diesen ritualisierten Montagmorgen-Erzählungen kritisiert, daß "im allgemeinen nur eine chronologische Nennung der Wochenendaktivitäten gegeben" wird (Hausendorf & Quasthoff 1996, 337).
    Nur auf den ersten Blick wirkt es paradox, daß Migrantenkinder mit geringen L2-Kenntnissen große Probleme haben, über ihre Heimat allgemein oder über Ferienerlebnisse in der Heimt zu erzählen; ihnen fehlen im allgemeinen die sprachlichen Mittel für die in der Erstsprache gemachten Erfahrungen; woher sollen sie auch wissen, wie eine bestimmte Pflanzenart auf Deutsch heißt? Es fehlen ihnen meist auch die Ausdrucksmittel für typische Aktivitäten, z.B. für Spiele oder zur Wiedergabe der in der L1 in der Regel viel differenzierteren Verwandtschaftsverhältnisse, um z.B. mit einem Wort zwischen einem Onkel mütterlicher- oder väterlicherseits zu unterscheiden, …
     
  • Allerdings lassen sich auch in der Schule vielfältige Erfahrungen gezielt arrangieren, vom Ausflug bis zum Zoobesuch, alles auch Erlebnisse für Erzählungen.
     
  • Betrachtet man nichtdeutschsprachige Kinder, dann wäre allerdings zu überlegen, ob für sie nicht eine sprachliche Vorbereitung hilfreich wäre, die ihnen diejenigen zweitsprachlichen Mittel zur Verfügung stellt, die sie zum Erzählen ihrer Erlebnisse benötigen.
     
  • Bezieht man auch Phantasiegeschichten mit ein, dann zeigt sich sofort die Bedeutung der Vorbereitung auf das Erzählen: die Findung einer Erzählidee aus verschiedenen Anregungen und die Entwicklung einer erzählenswerten Geschichte aus der Idee kann gut unterstützt werden (→ Claussen)
     
  • Für nichtdeutschsprachige Kinder ist dabei die mögliche Partner- und Gruppenarbeit interessant, durch die sich viele Sprachlerngelegenheiten ergeben.
 

(2) Das Erzählen

 
  • Das Erzählen steht natürlich im Zentrum; es bedarf einer Abgeschlossenheit gegenüber dem übrigen Tun. Dies zu erreichen, gibt es viele Regelungen und Rituale (→ Purmann).
     
  • Zu Beginn der Grundschulzeit müssen die Kinder noch lernen, anderen zuzuhören, andere aussprechen zu lassen; wer nicht 'dran ist', wird zunehmend unruhiger und stört die Erzählung; deshalb kommt der Schaffung und Aufrechterhaltung einer aktiven Rezeptionshaltung eine zentrale Rolle zu.
     
  • Es scheint daß sich in der Unterrichtspraxis die Lehrpersonen auf organisatorische Tätigkeiten zurückziehen und weder inhaltlich noch sprachlich-formal intervenieren - eine Folge der linguistischen Kritik (→ Flader & Hurrelmann)? Hier sollten die Lehrpersonen meiner Meinung nach doch gezielter intervenieren, indem sie z.B. bei Verstehensschwierigkeiten nachfragen und das, was sie verstanden zu haben glauben, als sprachlich wohlgeformte Frage stellen. Hier sollte mehr experimentiert werden und auf der Grundlage der Auswertung entschieden werden.
     
  • Bei Phantasiegeschichten können vielfältige Materialien als Stütze für die Realisierung der Erzählung genutzt werden (→ Claussen); dadurch läßt sich die Sicherheit beim Vortragen erhöhen, auf vorher erarbeitete sprachliche Mittel kann zugegriffen werden.
     
  • In vielen Unterrichtshospitationen konnte ich beobachten, daß die (nichtdeutschsprachigen) Kinder meistens die Frage stellten, ob es Spaß gemacht habe …. Für die Sprachförderung sicher nicht sehr hilfreich; nur selten ergaben sich Fragen nach der Funktionsweise von Spielen oder nach Spielregeln usw.
     
  • Gerade nichtdeutschsprachige Kinder benöntigen vielfältige Unterstützung, damit sie die Lücke zwischen ihren Ausdrucksbedürfnissen und ihren Ausdrucksmöglichkeiten in der Zweitsprache allmählich überbrücken können. In diesem Sinne sind alle Verfahren hilfreich, die das Erzählen vorbereiten und unterstützen.
     
  • Im Sinne einer sprachlichen Öffnung und interkulturellen Didaktik wäre es auch überlegenswert, Kindern mit sehr geringen Deutschkenntnissen die Gelegenheit zu geben, in ihrer Muttersprache zu erzählen, wenn Sprachmittler zur Verfügung stehen, die die Erzählung 'übersetzen' (z.B. sprachlich fortgeschrittenere Kinder).
 

(3) Nachbereitung der Erzählungen

 
  • Die Nachbereitung von Erzählungen beschränkte sich in den von mir hospitierten Stunden im wesentlichen auf Fragen der Kinder zu den gerade gehörten Erzählungen (dazu s.o.). Natürlich entzieht sich das gesprochene Wort der wortwörtlichen Speicherung und damit einer genauen nachträglichen Bearbeitung (lediglich für Forschungszwecke läßt es sich mit sehr viel Aufwand schriftlich fixieren). Aber eine geschulte Lehrkraft sollte sich einen Eindruck von den Zweitsprachkenntnissen machen können, um auf dieser Basis anbschließend gezielte Sprachfördermaßnahmen ergreifen zu können (→ Profilanalyse zur Ermittlung der Zweitsprachkenntnisse).
     
  • Besonders bei Phantasiegeschichten, für deren Ausarbeitung schon Materialien erstellt wurden, lassen sich anschließend aufgrund der Erfahrungen bei der Präsentation weitere Texte und/oder Materialien erstellen. Auch dies ist in Gruppenarbeit möglich, in der wiederum vielfätige Sprachfördermöglichkeiten bestehen.
     
  • Es lassen sich auch viele Möglichkeiten des gemeinsamen Erzählens finden (→ Claussen: Reihum-Erzählen, Seesack-auspacken, …). Dadurch wird die große Erzählaufgabe in kleine Häppchen zerlegt, das einzelne Kind entlastet.
     
  • Bei der Überwindung von Vorbehalten gegenüber der Speicherung von Gesprächen können mit Tondokumenten auch auditive Portfolios angelegt werden, aus denen die Kinder später eine Auswahl für ihr persönliches Portfolio auswählen können.
 

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