Koordiniert zweisprachige Schriftsprachvermittlung: Nehr u.a. 1988

Überblick | Reißverschlußprinzip | Erkundungsprojekte



Grundprinzipien

Motivation spielt zentrale Rolle im Schriftspracherwerb (Freire )

Grundlage Sprachvergleich auf allen Ebenen: Buchstabe - Silbe - Wort - Satz:
deutschspezifisch im Vergleich zu Türkisch: Konsonantencluster: Straße - Blume
Schreibvarianten für einen Laut: Boot - rot / Uhr - Mut

Verfahren: analytisch-synthetisch; in beiden Sprachen dasselbe Verfahren

 

"Straßenwörter"

Beginn mit sog. "Straßenwörtern" aus dem Kiez: Anknüpfen an Bekanntem:
Eis (als dt. Wort) - Coca-Cola - Taxi - Polizei
Erkennung nicht über Lesen der Schrift, sondern über Symbol, z.B. Polizeistern statt Wort
Szenisches Handeln, z.B. Einkaufsszenen

 

Reißverschlußprinzip

Zeitversetzt werden zunächst die türkischen Buchstaben, dann die deutschen eingeführt.
Zunächst werden im Türkischen bedeutungsvolle Wörter (z.B. Eigennamen) zerlegt, und aus ihnen Buchstaben gewonnen: aus Ali -> A, l, i.
Dann werden aus den im Türkischen gewonnen Buchstaben im Deutschen neue Wörter gebildet: aus a, m, i -> Mia, Mama.

Wichtig ist dabei, daß dabei in der neuen Sprachen auch neue Inhalte mit den Buchstaben/Wörtern verknüpft werden, da sonst der Unterricht in der zweiten Sprache langweilig wird

  

Erkundungsprojekte

Dem Erfahrungsansatz entsprechend werden Erkundungsprojekte durchgeführt. Schon in der zweiten Klasse führen die Kinder komplexe Erkundungsprojekte mit Fragebogen und Kassettenrekorder durch, die sie dokumentieren.


Freires Dialogpädagogik

Keine Arbeit mit isolierten Lauten, Buchstaben oder Sätzen, sondern mit Wörtern, die die interkulturelle Lebenswelt der Kinder reflektieren, deren Bedeutung sie berührt. Dies sind oft divergierende Erfahrungen in unterschiedlichen Lebenszusammenhängen.




Nehr u.a. (1988) In zwei Sprachen lesen lernen - geht denn das? weitere Literatur