Pragmatik Handlungsmuster | Auswahl |

Handlungsmuster sind gesellschaftlich ausgearbeitete Formen des Handelns. Sie werden nicht vom individuellen Handeln aus entwickelt, sondern von der gesellschaftlichen Praxis. Handlungen werden als zweckbezogene Tätigkeiten aufgefaßt, wobei die Zwecke nicht beliebig sind, sondern mit dem System der gesellschaftlich herausgebildeten Bedürfnisse verbunden sind. Die gesellschaftliche Praxis weist eine Repetitivität der Handlungsanforderungen wie ihrer Bearbeitung auf, so daß sich jeweils spezifische Konstellationen ergeben, die es den Handelnden gestatten, den Bedürfnissen und Konstellationen entsprechend bestimmte Zwecke zu verfolgen. Die Zwecke determinieren die Formen des Handelns und konstituieren spezifische Ensembles und Abfolgen von Tätigkeiten, die als Handlungsmuster den Aktanten zur Verfolgung ihrer Zwecke als gesellschaftlich ausgebildete Größen zur Verfügung stehen.

"Sprachliche Handlungsmuster, oder abkürzend gesagt, Muster, sind also die Formen von standardisierten Handlungsmöglichkeiten, die im konkreten Handeln aktualisiert und realisiert werden. Die Handelnden verwirklichen in ihrem Handeln ihre Zwecke. Die einzelnen Muster bilden Potentiale für die Realisierung von Zwecken, derer sich die Handelnden bei ihren Handlungen bedienen. Jedes Muster ist auf einen spezifischen Zweck potentieller Handelnder bezogen: es wird durch diesen Zweck strukturiert. Dieser Zusammenhang kann abkürzend auch so benannt werden: das Muster hat einen Zweck; auf ihn ist es funktional bezogen." (Ehlich & Rehbein 1979, S.250)

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Ehlich, Konrad & Rehbein, Jochen (1979) Sprachliche Handlungsmuster. In: Soeffner, H.-G. (Hg.) Interpretative Verfahren in den Sozial- und Textwissenschaften. Stuttgart: Metzler, 243-274